Aus Naturschutzgründen: Einschränkungen für Paddler auf Flüssen in NRW

Zu viel Verkehr auf kleinen Flüssen : Nur noch 30 Paddelboote pro Tag

Aus Naturschutzgründen wird auf Teilen der Lippe die Zahl der Boote begrenzt. Besonders an Feiertagen ist auf kleinen Flüssen viel los. In Niedersachsen soll es deswegen sogar Sperrungen für Kanuten geben.

Seit 50 Jahren zieht es Randolf Wojdowski regelmäßig mit Freunden auf die heimischen Flüsse. Am liebsten fährt der 64-Jährige mit seinem Kanu auf dem Rhein-Herne-Kanal, der Lippe und der Ruhr. „Drei bis vier Stunden kann so eine Tour dann dauern“, sagt der Oberhausener, der auch Mitglied im NRW-Kanuverband ist. Anschließend gebe es meist ein Picknick. „Das Gesellige gehört einfach dazu“, sagt er.

Was nicht dazu gehört, sind Gruppen alkoholisierter Männer, die überwiegend an Feiertagen und bei Junggesellenabschieden auf den Flüssen paddeln. „Wer dabei erwischt wird, bekommt mächtig Ärger“, warnt Wojdowski. Aber auch zu viele Kanuten gleichzeitig auf einem Flussabschnitt sind in vielen Landkreisen nicht gerne gesehen – und das aus Gründen des Umwelt- und Naturschutzes. „Die Flüsse sind der natürliche Lebensraum vieler Vögel, Fische und Kleinstlebewesen“, sagt Wilfried Manheller vom Niersverband. „Es geht um ein ausgewogenes Miteinander von Mensch und Natur.“

Doch dieses Miteinander ist vielerorts gefährdet. Im Kreis Recklinghausen, durch den die Lippe fließt, hat man nun die Reißleine gezogen, weil man sich um ein europaweit bedeutendes Naturschutzgebiet sorgt. Seit dem 1. April gelten besondere Vorschriften für die Kanuten. So ist laut Kreisverwaltung dort das Kanufahren in zwei Teilabschnitten von insgesamt neun Kilometern auf der Lippe nur noch für eine begrenzte Zahl von 30 Booten pro Tag gestattet. „Für alle Tiere, aber insbesondere die Vögel, gibt es besondere Zeiten, in denen zu viele Störungen den Bestand der Art langfristig gefährden können“, erklärt Karl Malden, Leiter der Unteren Kreis-Naturschutzbehörde.

Das NRW-Umweltministerium bestätigt die negativen Einflüsse auf Tiere, die durch zu viele Kanuten entstehen können. „Die Nutzung eines Gewässers durch mehrere Paddler können dazu führen, dass die zeitlichen Abstände für eine Beruhigung der gestörten Tiere zu gering sind“, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Störungsempfindliche Arten seien vor allem Wasservögel wie Enten, Haubentaucher und Eisvogel. Selbst Tierarten wie Biber und Fischotter könnten durch Störwirkungen von Kanuten beeinträchtigt werden.

 Im Landkreis Lüneburg in Niedersachsen soll an Himmelfahrt und über Pfingsten auf den Flüssen Luhe und Ilmenau künftig Ruhe herrschen. Nächtliche Fahrverbote sowie Sperrungen für Kajaks und Kanuten sollen den Feiertagsrummel unterbinden und die Natur schonen. Die Verordnung richtet sich vor allem an die Tagestouristen und Fahranfänger in Leihbooten kommerzieller Vermieter. Für Kanuvereine sollen hingegen Ausnahmen gelten.

Fahrverbote gibt es in Nordrhein-Westfalen bislang nur vereinzelt. Diese gelten für Kleinflüsse wie die Düssel, die ohnehin nur an wenigen Tagen des Jahres für Kanuten befahrbar ist. Allerdings gibt es aus Naturschutzgründen auf einigen Flussabschnitten Reglementierungen. So dürfen zum Beispiel auf der Ems zwischen Rheine und Warendorf niemals mehr als 100 Boote gleichzeitig fahren. In der Hauptsaison ist dort an Wochenenden und Feiertagen eine Anmeldung erforderlich. Auf der Niers ist eine Beschränkung von Booten noch nicht geplant. „Wir appellieren an die Vernunft“, sagt Wilfried Manheller.

Die Reglementierungen von Booten und Kanus werden von den Sportverbänden aber durchaus begrüßt. „Wenn es aber zu Verboten kommen sollte, können wir den Kanusport auch ganz einstellen. Soweit darf es nicht kommen“, sagt Randolf Wojdowski. Der 64-Jährige schätzt am Kanufahren vor allem die Verbundenheit mit der Natur, und dass man den Sport von Kindesbeinen bis ins hohe Alter ausüben kann. „Kanu fahren verbindet Generationen“, sagt er. „Wir haben Kinder und 90-Jährige bei uns. Das ist wunderschön.“

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