Aufräumarbeiten nach Sturm Friederike in Düsseldorf, Köln, Mönchengladbach, Krefeld und Leverkusen

Unwetter-Bilanz am Tag nach "Friederike" : "Die Aufräumarbeiten werden noch Wochen dauern"

Orkan Friederike: So heftig erleben unsere Nutzer den Sturm

Nach Orkan "Friederike" laufen in ganz NRW die Aufräumarbeiten. Umgestürzte Bäume müssen weggeräumt, Dächer repariert werden. Mehr als Tausend Menschen sind am Niederrhein noch immer ohne Strom. Wie hart schlug der Sturm wo in der Region zu? Eine Bilanz.

Am Tag nach Orkantief "Friederike" müssen am Niederrhein und im Kreis Borken noch 1000 Menschen auf Strom verzichten. Umgestürzte Bäume hatten am Donnerstag Leitungen zerstört. Betroffen sind zum Beispiel die Städte Wesel, Alpen, Rheinberg, Weeze und Rees. Die Städte in der Region raten Bürgern, Wälder weiter zu meiden. Lose Äste könnten herunterfallen.

Die Düsseldorfer Feuerwehr war mit 369 Kräften im Einsatz. Sie zählte 659 Einsätze. Diese seien am Freitag nahezu restlos abgeschlossen. Verletzt wurde niemand, es kam lediglich zu Sachschäden. Ein aufwendiger Einsatz beschäftigte die Retter an der Rethelstraße noch bis in die Nacht. Ein Kamin war durch den Sturm auf ein sechsstöckiges Haus gefallen, hatte das Dach durchschlagen und das Treppenhaus beschädigt. 70 Bäume an Straßen und in Parks stürzten um. Während ein Feuerwehrmann an der Brehmstraße in 25 Metern Höhe ein Dach sicherte, rammte ein Lkw die Drehleiter. Der Feuerwehrmann blieb unverletzt, das Drehleiterfahrzeug ist nicht mehr einsatzfähig.

Die Feuerwehren im Rhein-Kreis Neuss waren bei Orkanböen von weit über 100 Stundenkilometern ab 11 Uhr im Dauereinsatz. In Neuss, Jüchen und Kaarst wurde Vollalarm ausgelöst, alle verfügbaren Kräfte - hauptberuflich oder im freiwilligen und ehrenamtlichen Dienst - waren im Einsatz und rückten bis in die Nacht insgesamt 430 Mal aus. Die Polizei war sturmbedingt 156 Mal im Einsatz.

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Glücklicherweise kamen bei allen Vorfällen keine Menschen zu Schaden. Es gab umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste, losgelöste Bauteile und abgedeckte Dächer sowie mehrere umgekippte Lkw. Besondere Aufmerksamkeit zog die Evakuierung des Ikea-Neubaus in Kaarst auf sich. Hier hatten sich Teile der Dachfassade gelöst, das Gebäude wurde geräumt und für den Rest des Tages geschlossen.

"Das gesamte Ausmaß der Schäden ist noch nicht zu überblicken", teilte die Stadt Mönchengladbach am Freitagvormittag mit. Die Abfall-, Grün- und Straßenbetriebe (Mags) gehen davon aus, dass im Stadtgebiet rund 200 Bäume umgefallen oder abgebrochen sind. In städtischen Wäldern seien bis zu 1500 Bäume aller Art betroffen. "Die Aufräumarbeiten werden noch Wochen dauern", hieß es vonseiten der Mags. In den Wäldern Mönchengladbachs hängen abgebrochene Äste in den Bäumen, ganze Kronen sind lose und drohen runterzufallen. Entwurzelte, tonnenschwere Bäume hängen in anderen Bäumen fest und könnten jederzeit zu Boden fallen. Die Abfallbetriebe warnen deshalb davor, Grünanlagen zu betreten. Der Friedhof Preyerstraße und der Hauptfriedhof bleiben - abgesehen von Beerdigungen - gesperrt.

641 Mal musste die Kölner Feuerwehr am Donnerstag zu Sturmschäden ausrücken. Im Stadtgebiet wurden fünf Menschen verletzt: Zwei saßen in Autos, die von umstürzenden Bäumen getroffen wurden, eine Person wurde von einem Schild getroffen, das durch die Luft geflogen war. Die anderen beiden wurden bei einem Sturz beziehungsweise durch einen abgebrochenen Ast verletzt. Bis zu 400 Feuerwehrleute waren im Einsatz.

"Friederike" deckte mehrere Dächer ab. Von einem Gymnasium in Köln-Mülheim wurde das komplette Dach weggerissen, auch das Dach einer Grundschule an der Martinusstraße hielt dem Orkan nicht stand. Schüler waren nicht in den Gebäuden, so dass niemand verletzt wurde.

Auf das Ausflugslokal "Poller Fischhaus" kippte ein Baum. Am Abend kam ein Junge im Auto seiner Eltern in Müngersdorf zur Welt. Sie hatten es wegen einer sturmbedingten Straßensperrung nicht mehr rechtzeitig zur Klinik geschafft. Mutter und Kind geht es gut.

Während des Sturms war die Feuerwehr auch in ganz Leverkusen im Einsatz. In einer ersten Bilanz zählten die Helfer der Feuerwehr 135 Einsätze. Zur Sicherheit wurde ein Wohnblock gesperrt. Dort löste der Sturm immer wieder Dachziegel, die auf die Straße flogen. Ein Wildpark schloss seine Pforten, nachdem Bäume das Dach eines Stalles durchschlagen hatten. Bayer-04-Profi Ramazan Öczan suchte bei Twitter seine Terrassenmöbel. Der Sturm hatte sie davongeweht. Der Bahnübergang Sandstraße zwischen Leichlingen und Opladen war für Autos ab mittags nicht mehr passierbar. Dort war eine Fichte direkt vor die Schranke gestürzt.

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Umgestürzte Bäume versperrten in Leichlingen zwei Kreisstraßen. Allein auf einer Strecke nach Solingen wurden rund 40 umgestürzte Bäume gezählt. Mitarbeiter der Energieversorgung Leverkusen kämpften gegen zahlreiche Stromausfälle im Stadtgebiet. Mehrere Bäume und Äste waren auf Freileitungen gefallen. Ein Fahrradfahrer verletzte sich während des Sturms und musste im Krankenhaus behandelt werden. Im Erholungsgebiet Diepental stürzte ein Baum auf einen Weg, als gerade die Briefträgerin mit ihrem Wagen in der Sackgasse unterwegs war. Der Baum versperrte ihr den Rückweg.

Die Feuerwehr in Remscheid zählte 205 Einsätze in 24 Stunden. Am Freitag zeigt sich das Wetter im Bergischen winterlich. Wegen Schneefalls warnt die Feuerwehr Remscheid, die Wälder nicht zu betreten.

Die Stadtwerke Solingen stellten den Verkehr auf sämtlichen Obus-Linien ein. Der Sturm hatte etliche Oberleitungen der elektrisch fahrenden Busse beschädigt. Und auch auf vielen Straßen ging kaum noch etwas. In den Wäldern in und um Solingen herrschte Ausnahmezustand. Eine große Zahl von Bäumen sei schon durch den Orkan "Burglind" Anfang des Monats in arge Schieflage geraten, teilte die Feuerwehr mit. Diese drohten nun endgültig umzukippen.

In Duisburg wurden unzählige Bäume entwurzelt, der Bahnverkehr kam zum Erliegen. Die Feuerwehr notierte mehr als 500 Einsätze. Am Freitag ist die Feuerwehr mit 118 Kräfte im Stadtgebiet aktiv. Der Unterricht an der Grundschule Heisterbachstraße fällt laut Stadt bis einschließlich Montag aus. An der Schule hatten sich durch den Sturm Teile des Daches gelöst.

In Krefeld sorgte "Friederike" für rund 440 sturmbedingte Einsätze. Bis 22 Uhr waren die Berufsfeuerwehr und alle Freiwilligen Wehrkräfte im Einsatz, um die Vorfälle abzuarbeiten. Insgesamt gab es durch den Sturm in Krefeld fünf Verletzte. Vier der leicht Verletzten stürzten durch starke Windböen, eine Frau hatte auf dem Frankenring enormes Glück, als ein umgestürzter Baum ihre Windschutzscheibe durchschlug und sie nur knapp hinter dem Steuer verfehlte. Die Krefelderin kam mit leichten Prellungen und Schürfwunden davon. Unterstützt wurden die rund 200 Kräfte vom Technischen Hilfswerk und den Rettungsdiensten vom Roten Kreuz, den Johannitern und den Maltesern.

(woa/cbo/url/hsr/sef)
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