Archäologie in NRW Zeugnisse mittelalterlicher Landgewinnung in Wiedenbrück entdeckt

Rheda-Wiedenbrück · Für die Wiedenbrücker Stadtgeschichte ist die Ausgrabung ein wichtiger Fund. Nicht nur Holz, sondern auch weitere Funde konnten die Archäologen in der Innenstadt bergen.

Seit April grub eine archäologische Fachfirma begleitet durch die LWL-Archäologie für Westfalen eine Menge Holz an der Wasserstraße in Wiedenbrück aus. Aus dieser Perspektive ist die schräge Position der faschinenartigen Konstruktion deutlich zu erkennen.

Seit April grub eine archäologische Fachfirma begleitet durch die LWL-Archäologie für Westfalen eine Menge Holz an der Wasserstraße in Wiedenbrück aus. Aus dieser Perspektive ist die schräge Position der faschinenartigen Konstruktion deutlich zu erkennen.

Foto: Archäologie am Hellweg eG/Ulrich Holtfester

Bei Ausgrabungen in der Wiedenbrücker Innenstadt hat ein Archäologen-Team Hinweise auf eine mittelalterliche Landgewinnung entdeckt. Diese müsse vor rund 800 Jahren stattgefunden haben, teilte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) am Freitag mit. Auf der nur 30 Quadratmetern großen Ausgrabungsfläche an der Wiedenbrücker Wasserstraße kam den Angaben zufolge eine große Menge Holz zum Vorschein. Das Grabungsteam konnte laut LWL weitere Funde bergen, darunter Keramik aus dem 13. Jahrhundert, Tierknochen und Schuhsohlen aus Leder.

Ähnlich einer Uferrandbefestigung waren die Hölzer zu einer komplexen Konstruktion aus Staken und dazwischen eingeflochtenen Weidenruten zusammengesetzt, wie Grabungsleiter Ulrich Holtfester erläuterte. Südlich angrenzend seien zudem zur Befestigung des Untergrundes zahlreiche Knüppel aus Birkenästen verlegt worden. Stellenweise hätten auf diesen Knüppeln noch mattenartige Reste aus kleinen dünnen Ästen gelegen. „Die Ausrichtung der gesamten Konstruktion deutet darauf hin, dass sie das südlich anschließende Gelände vor eindringendem Wasser schützen sollte“, sagte Holtfester.

Für die Wiedenbrücker Stadtgeschichte öffne der Ausgrabungsbefund ein „Fenster in die spannende, von Wachstum geprägte Zeit“ vor rund 800 Jahren, erklärte LWL-Fachmann Sven Spiong von der Außenstelle Bielefeld. „Die aufwändige Holzkonstruktion wurde wahrscheinlich im Zuge der Errichtung der Neustadt kurz vor der Mitte des 13. Jahrhunderts angelegt, um eine seit jeher siedlungsungünstige, östlich eines Altarms der Ems gelegene torfige Senke nutzbar zu machen.“ Solche mittelalterlichen Landgewinnungs- und Nachverdichtungsmaßnahmen in Städten seien immer wieder zu beobachten, in jüngster Zeit zum Beispiel auch in Minden oder Rietberg.

Um das Gelände weiter nutzbar zu machen, wurde laut der Archäologen die Konstruktion im 14. oder 15. Jahrhundert mit Aufschüttungen zugedeckt. Dadurch erhöhte sich das Gelände und wurde zusätzlich trockener, wie es hieß. Von der endgültigen Aufsiedlung zeugten schließlich bis zu zwei Meter lange Pfosten, die man durch die ältere Aufschüttung und die darunterliegende Holzkonstruktion gerammt habe.

(dw/epd)