"Way Guard": App soll Heimweg für Frauen sicherer machen

"Way Guard" : App soll Heimweg für Frauen sicherer machen

Eine neue App soll vor allem Frauen sicherer nach Hause bringen. Freunde und Bekannte oder eine spezielle Leitstelle können den Weg einer Person überwachen und im Ernstfall Hilfe rufen. Wie das funktioniert, erklären wir hier.

Man geht abends eine unbeleuchtete Straße entlang und ist allein.Plötzlich hört man ein Geräusch und fühlt sich nicht sicher. Vor allem junge Frauen kennen diese mulmige Gefühl, aber auch Männer sind natürlich vor gewalttätigen Übergriffen nicht geschützt. Mit der App "Way Guard" soll nun zumindest das Gefühl von Sicherheit erhöht werden. Im Notfall kann über die App der Standort des Opfers genau ermittelt werden.

Die App wurde von der Versicherung Axa in Kooperation mit der Kölner Polizei entwickelt und ist seit Oktober 2016 auf dem Markt. "Anfänglich haben wir die App vor allem mit jungen Studentinnen getestet", sagt Anja Kroll von der Axa im Gespräch mit unserer Redaktion. Jedoch sei die App nicht nur für Frauen gedacht, sondern für jeden, der sich bei seinem Heimweg unwohl fühlt.

Das Prinzip dahinter ist simpel: Die zu begleitende Person und ihr Vertrauter, der von der Couch zu Hause den Heimweg überwachen kann, müssen die App installiert haben. Nach einem kurzen Anmeldeverfahren, bei dem Handynummer, Name und E-Mail-Adresse angegeben werden müssen, ist die App einsatzbereit. Wer begleitet werden möchte, geht auf seine Kontakte und wählt einen Begleiter aus. Sobald dieser die Anfrage auf seinem Handy bestätigt, kann es los gehen. Über eine Karte sieht der Begleiter, wo sich die Person auf dem Heimweg genau aufhält.

Über die App kann zudem mit dem Begleiter telefoniert oder gechattet werden. Ist man sicher zu Hause angekommen, gibt man das über die App an und kann sie schließen. Sollte es zu einem Notfall kommen, können beide Nutzer per Wischfunktion die Leitstelle von "Way Guard" informieren. Diese soll dann umgehend die Polizei informieren.

So sieht es aus, wenn der Begleiter die Anfrage angenommen hat. Auf der Karte sieht man den Standort, kann mit dem Begleiter chatten oder telefonieren oder direkt den Notruf wählen. Foto: Screenshot Way Guard App

Vorraussetzung für das Benutzen der App ist jedoch eine ausreichende Internetverbindung. Das ist vor allem in ländlichen Gebieten oder in Parks häufig nicht der Fall. Sollte der Handyakku leer sein, ist eine Begleitung über die App natürlich ebenfalls nicht möglich.

Wer vor allem zu später Stunde niemanden hat, der den Heimweg auf dem Handy begleiten könnte, für den gibt es eine eigens eingerichtete Leitstelle, die 24 Stunden besetzt ist. "Hier kann man sich von ausgebildeten Mitarbeitern begleiten lassen. Im Notfall können diese schnell Hilfe holen und der Polizei die genauen Koordinaten mitteilen", sagt Kroll. Das sei vor allem in Stresssituationen wichtig: "Wenn man verfolgt wird, fällt es schwerer, sich genau auf den Ort zu konzentrieren, an dem man sich befindet", so die Expertin.

Begleitet werden kann man übrigens nur, wenn man selbst aktiv eine Anfrage an einen Begleiter stellt. "Beide können jederzeit die Begleitung abbrechen", sagt Kroll. So könne niemand gegen seinen Willen überwacht werden.

Einen ähnlichen Ansatz hatten bereits die Betreiber des "Heimwegtelefons". Knapp 50 Ehrenamtler sind donnerstags und am Wochenende telefonisch erreichbar, um Menschen auf ihrem Heimweg zu begleiten. Das funktioniert jedoch nur über Handygespräche — eine Standortüberwachung gibt es hier nicht.

Neben der Heimwegbegleitung findet man in der App außerdem Tipps der Polizei zur Prävention. Der erste Ratschlag lautet: "Wenn du nicht alleine nach Hause gehen willst, verabrede dich vorher mit Freunden für den Heimweg. In der Gruppe seid ihr sicherer." Und genau das sollte allen Nutzern bewusst sein. Die App gibt zwar den aktuellen Standort an, jedoch kann sie nicht vor einem Übergriff oder einer Notfallsituation schützen. Im Zweifel sollte man sich für die Taxifahrt oder den Heimweg mit Freunden entscheiden.

Finanziert wird die "Way Guard"-App bislang von der Versicherung. Kosten für den Nutzer fallen, abgesehen von der Internetverbindung, nicht an.

(skr)
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