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App „Nora“ jetzt verfügbar: Die Zukunft des Notrufs?

App „Nora“ jetzt verfügbar : Die Zukunft des Notrufs?

Notruf per App: „Nora“ ist jetzt verfügbar

Eine neue App soll bundesweit die Notrufnummern 110 und 112 ergänzen. „Nora“ hat besonders für Menschen mit Hör- oder Sprachbehinderung Vorteile, könnte aber auch in anderen Fällen praktischer als der Anruf sein. Das NRW-Innenministerium hat das Projekt geleitet.

Für den Notruf gibt es jetzt neben den Nummern 110 und 112 auch eine bundesweite App. Ab dem heutigen Dienstag ist „Nora“ in allen Bundesländern außer Berlin verfügbar. Sie richtet sich vor allem an Menschen mit Hör- oder Sprachbehinderung. Sie müssen nicht wie bisher telefonieren oder gar per Fax ihren Notruf übermitteln, sondern können das auch per Chat tun. Auch in anderen Fällen ist „Nora“ praktischer als ein Anruf. Entwickler und Kommunen gehen davon aus, dass künftig immer mehr Menschen den Weg über die App gehen werden.

„Man kann mit dieser App geräuschlos um Hilfe rufen. Das klingt paradox, ist aber möglich“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) bei der Vorstellung der App am Dienstag. Sein Ministerium hatte das Projekt federführend übernommen. Die Anwender können in gefährlichen Situationen einen Notruf senden, ohne von anderen gehört zu werden. Die App übermittelt auch automatisch den Standort, den Namen und weitere Daten direkt an die zuständige Leitstelle. „Das macht zwei Fragen überflüssig: Wer sind Sie? Wo sind Sie?“, sagte Reul.

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Über die App können Nutzer viele Details zu ihrer Person angeben. Dazu gehören neben dem Namen auch etwa Vorerkrankungen oder mögliche Behinderungen. So können Feuerwehr, Polizei oder Rettungsdienst besser reagieren. Der entscheidende Vorteil der App: Die persönlichen Angaben können Nutzer schon bei der Registrierung angeben. So müssen sie die Information nicht erst in der Stress-Situation eines Notfalls übermitteln.

Feuerwehrleute, Polizisten und Rettungsdienstmitarbeiter haben sich auf den Start von „Nora“ schon länger mit Schulungen vorbereitet. „Wir haben allein in NRW 300 Leitstellen und 10.000 Mitarbeitende. In jeder dieser Stellen gibt es jemanden, der die Notrufe über die App entgegennehmen kann“, sagte Carsten Schneider vom Deutschen Städtetag. Er geht davon aus, dass die Anzahl der Nutzer zunächst überschaubar bleiben werde, danach aber stetig steige. „Das zeigen die Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern mit ähnlichen Projekten.“

Auch der Entwickler der App hofft auf eine rasche Verbreitung. „Wir gehen davon aus, dass die App nach und nach die Anrufe ersetzt“, sagt Pablo Beyen. Er ist Geschäftsführer der Kölner Firma Bevuta IT, die „Nora“ entwickelt hat. Ein besonderes Augenmerk habe die Firma auf das Thema Datenschutz gelegt. „Die App erfragt sehr sensible Daten. Deswegen waren die Datenschutzbeauftragten aller 16 Länder involviert“, sagt Beyen. Rund 14 Monate habe seine Firma für die App gebraucht. Insgesamt zahlen die Bundesländer rund fünf Millionen Euro im Jahr, auf NRW entfallen 475.000 Euro jährlich.

 Die App ist für Apple und Android verfügbar. Nur in Berlin ist sie noch wegen ausstehender Absprachen nicht mit den Leitstellen verbunden. Weitere Informationen und Anleitungen für die Nutzung gibt es online unter www.nora-notruf.de