Anwalt von Lügde-Opfern „Da sichten Beamte womöglich abartiges Material, die sonst Verkehrsunfälle aufnehmen“

Lügde · Im Missbrauchsfall Lügde sind CDs und DVDs aus einem Raum der Polizeibehörde Lippe verschwunden. Der Bielefelder Rechtsanwalt Peter Wüller vertritt mehrere Opfer. Für ihn ist das Verschwinden der Asservate ein Skandal.

Nachdem bei den Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs von mindestens 31 Kindern in etwa 1000 Fällen auf einem Campingplatz in Lügde Beweismittel verschwunden sind, äußert sich ein Opferanwalt. „Das ist ein Skandal. So etwas darf nicht passieren“, sagt Peter Wüller. Der Rechtsanwalt aus Bielefeld vertritt im Verfahren vier Kinder zwischen vier und 13 Jahren.

Verschwunden sind ein Koffer und eine Tasche mit 155 CDs und DVDs, die bei dem 56-jährigen Hauptverdächtigen Andreas V. sichergestellt worden waren. Der Raum der Kreispolizeibehörde Lippe, in dem die Datenträger lagen, war offenbar nicht gut genug gesichert. Die Polizeibehörde spricht von „eklatanten Fehlleistungen“ und teilt mit: „Diese hätten nicht geschehen dürfen“. Fünf Sonderermittler des Landeskriminalamtes NRW sollen nun klären, wie das passieren konnte.

Fotos: Campingplatz in Lügde Tatort in Fällen von Kindesmissbrauch
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Campingplatz in Lügde Tatort in Fällen von Kindesmissbrauch

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Foto: dpa/Guido Kirchner

Wüller sagt: „Wir wissen nicht, was auf den Datenträgern war. Ein Großteil ist ja noch nicht ausgewertet worden.“ Es sei also gut möglich, dass Taten darauf zu sehen seien, die nicht mehr aufgeklärt werden könnten, wenn die Beweismittel nicht wieder auftauchen. „Die Frage ist, ob sie fahrlässig abhanden gekommen sind oder ob sie jemand gezielt hat verschwinden lassen.“ Wüller glaubt: „Womöglich finden die Sonderermittler jetzt noch viel mehr, was da schief gelaufen ist.“

Schief gelaufen ist schon einiges. So hatten frühere Hinweise an die Polizei auf den Dauercamper Andreas V. wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs offenbar keine Folgen. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass ein Mitarbeiter des Landkreises Hameln-Pyrmont Akten in dem Fall manipuliert hatte.

Anwalt Wüller kritisiert, dass die sichergestellten CDs und DVDs nicht gleich ans Landeskriminalamt gegeben wurden, um dort von speziell geschulten Beamten in Fachdezernaten ausgewertet zu werden. „Man muss sich vorstellen, da sichten Polizeibeamte womöglich abartiges Bildmaterial, die sonst Verkehrsunfälle aufnehmen“, sagt Wüller. Wie nun bekannt wurde, soll ein Polizei-Anwärter mit der Auswertung des Beweismaterials beauftragt worden sein. Den nun verschwundenen Asservaten komme allein deshalb ein gesteigerter Beweiswert zu, weil die Opfer Kinder seien, sagt Wüller. „Wie sollen Fünfjährige exakte Handlungsabläufe schildern?“ Auf den Dateien seien möglicherweise Taten zu sehen, die nur so aufgeklärt werden könnten. „Und den Kindern will man eigentlich ersparen, vor Gericht aussagen zu müssen.“

 Parzelle des Hauptverdächtigen auf dem Campingplatz Eichwald in Lüdge. (Archiv)

Parzelle des Hauptverdächtigen auf dem Campingplatz Eichwald in Lüdge. (Archiv)

Foto: dpa/Christian Mathiesen

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte am Donnerstag gesagt, nur drei der 155 Datenträger seien bislang ausgewertet worden. Darauf habe sich hauptsächlich Installationssoftware befunden, es sei kein Kindesmissbrauch darauf zu sehen.

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