Kontrollen im Dom Wie der Heiligabend nach der Terrorwarnung in Köln lief

Köln · Kurz vor Weihnachten hatten Sicherheitsbehörden Hinweise auf einen möglichen Anschlagsplan einer islamistischen Gruppe auf den Kölner Dom erhalten. Die Besucher sind aufwendig überprüft worden. So fällt die Bilanz der Polizei aus.

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Polizeieinsatz nach Anschlagswarnung am Kölner Dom

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Foto: dpa/Roberto Pfeil

Nach Hinweisen auf mögliche Anschlagspläne auf den Kölner Dom hat es bei den Kontrollen der Besucher der Mitternachtsmette an Heiligabend keine Vorkommnisse gegeben. Die aufwendigen Überprüfungen der Menschen im Dom seien unauffällig verlaufen, sagte eine Polizeisprecherin am Montagmorgen. Auch im Umfeld des Doms, wo die Polizei ihre Präsenz erhöht hatte, sei es ruhig geblieben. Zu Weihnachten haben alle Kirchen in Nordrhein-Westfalen die Friedensbotschaft der biblischen Weihnachtsgeschichte in den Mittelpunkt gerückt.

„Nicht Terror und Krieg sind der Weg Gottes, sondern Liebe, Versöhnung, Vergebung und Einheit“, sagte Woelki am Sonntagabend in der Christmette im Kölner Dom. Gott habe seinen Sohn in die Welt gesandt, um allen Hass zu besiegen, allen Krieg zu beenden, allen Terror zu widersagen.

Woelki dankte unter großem Applaus den Polizisten, die es ermöglichten, dass im Kölner Dom Gottesdienst und Weihnachten gefeiert werden könne. Nach einem Gefahrenhinweis waren die Schutzmaßnahmen am Kölner Dom verschärft worden. Laut Medienberichten gab es Hinweise auf mögliche Anschlagspläne einer islamistischen Terrorgruppe.

Der rheinische Präses Thorsten Latzel rief Christinnen und Christen dazu auf, die Friedensbotschaft der Weihnachtsgeschichte weiterzutragen. Der Frieden Gottes meine nicht den Herrschaftsfrieden der Römer zur Zeit von Jesu Geburt oder anderer Gewaltherrscher zu allen Zeiten, sondern einen Frieden durch Hingabe und durch Liebe, sagte Latzel im Heiligabend-Gottesdienst in der Düsseldorfer Johanneskirche.

Der Theologische Vizepräsident der westfälischen Landeskirche, Ulf Schlüter, unterstrich angesichts der aktuellen Krisen die Hoffnung der Weihnachtsbotschaft. „Über der heillosen Welt der Krisen und Katastrophen“ stehe der Stern von Bethlehem, erklärte der Präses-Vertreter in seiner in Bielefeld veröffentlichten Videobotschaft. Scharf kritisierte Schlüter den „alten antisemitischen Irrsinn“, dass Jüdinnen und Juden in Deutschland um ihr Leben fürchten müssten.

Kriegerische Auseinandersetzungen dürften nicht zur Normalität werden, warnte der Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche, Dietmar Arends. „Wir müssen nicht kriegstüchtig werden, sondern friedenstüchtig“, unterstrich Arends am Montag in seiner Predigt in der Detmolder Erlöserkirche. „Wir dürfen nicht aufhören, nach Wegen des Friedens und der Verständigung zu suchen“, sagte der oberste Repräsentant der Lippischen Landeskirche.

Auch Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck rief zu mehr Friedensbemühungen in den weltweiten Konflikten auf. Das Weihnachtsfest mit seiner Friedensbotschaft sei eine Mahnung, „an jenem Faden zu arbeiten, aus dem der Frieden gewebt ist und der doch so dünn ist, dass er so leicht zerreißt“, sagte der katholische Bischof in der Christmette an Heiligabend im Essener Dom.

Der Diözesanadministrator des Erzbistums Paderborn, Michael Bredeck, erklärte, Bethlehem sei überall. Überall sei der Ort, wo Jesus durch seine Geburt das Leben von Menschen hell mache, sagte der kommissarische Leiter des Erzbistums in seiner Predigt am Montag im Dom.

Christinnen und Christen sollten nach Worten des Münsteraner Bischofs Felix Genn „Freudenboten“ sein, die „trotz allem“ Frieden ankündigten, „weil uns dieses Kind geboren wurde“, sagte Genn am Montag im St.-Paulus-Dom in Münster. Der Aachener Bischof Helmut Dieser rief in der Christmette an Heiligabend im Aachener Dom die Gläubigen an Weihnachten dazu auf, immer wieder neu zur Krippe hinzugehen.

Mann im Saarland nach Warnung vor möglichem Anschlag festgenommen

Die Sicherheitsbehörden hatten nach dpa-Informationen Hinweise auf einen möglichen Anschlagsplan einer islamistischen Gruppe auf den Dom und eine Kirche in Wien erhalten. Nach Angaben der Kölner Polizei bezogen sich die Hinweise auf Silvester. Angesichts der Feiertage hatte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) die Menschen ermutigt, sich nicht vom Kirchenbesuch abhalten zu lassen, weil der Schutz durch die Behörden funktioniere.

Im Saarland ist im Zusammenhang mit den Hinweisen auf mutmaßliche islamistische Anschlagspläne auf den Kölner Dom nach Medienberichten ein Mann festgenommen worden. Die ARD berichtete am Sonntag ohne Angaben von Quellen, der Verdächtige könne in Verbindung mit der Extremistengruppe ISPK stehen, dem afghanischen Ableger des Islamischen Staates. Vom Generalbundesanwalt war zunächst keine Stellungnahme zu dem Bericht zu bekommen.

Auch eine Sprecherin der Kölner Polizei konnte zu der Festnahme nichts sagen. Aktuell seien viele Einsatzkräfte vor Ort, um Besucher des Weihnachts-Gottesdienstes zu untersuchen. Der Dom sei nach verdächtigen Gegenständen durchsucht worden.

Der Mann im Saarland sei den Behörden schon lange als Extremist bekannt, berichtete die ARD. Die Hinweise auf seine mögliche Beteiligung an einer Straftat sind aber vage. Bis Sonntag um Mitternacht müssten die Behörden nun entscheiden, ob sie einen Haftbefehl gegen den Mann beantragen würden. Auch der Generalbundesanwalt sei mit dem Vorgang befasst, sei aber wegen des dünnen Sachverhalts skeptisch, heiße es in Ermittlungskreisen

(boot/dpa/Reuters/epd)