Anna Sorokin: Hochstaplerin aus Eschweiler in New York für schuldig befunden

Hochstaplerin aus NRW : Anna Sorokin in New York für schuldig befunden

Ihr Vermögen sei in Übersee, sie zahle das Geld zurück - auf diese Weise hat sich Anna Sorokin aus Eschweiler in New York Zehntausende Dollar erschlichen. Eine Jury befand sie nun für schuldig. Ihr droht eine jahrelange Haftstrafe.

Ein New Yorker Gericht hat Anna Sorokin aus Eschweiler des Betrugs und Diebstahls schuldig gesprochen. Das teilte eine Jury am Donnerstag nach einem Prozess mit, der für internationale Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Sorokin hatte sich als angebliche Erbin eines Vermögens ausgegeben.

Die Hochstaplerin wurde in drei Fällen des Diebstahls, in vier Fällen des Erschleichens von Dienstleistungen sowie in einem Fall des versuchten schweren Diebstahls für schuldig befunden. Die Staatsanwälte sagten, die Frau habe Banken, Hotels und Freunde über einen Zeitraum von zehn Monaten um 275.000 Dollar (245.000 Euro) gebracht. Von einem Vorwurf des schweren Diebstahls und eines versuchten schweren Diebstahls wurde sie freigesprochen.

Unter dem Namen Anna Delvey ließ sie Freunde und Finanzinstitutionen glauben, sie habe in Übersee ein 60-Millionen-Euro-Vermögen, mit dem sie ihre teure Kleidung, die Luxushotels und die Transatlantikflüge bezahlen könne. Ihr Vater sei wahlweise Diplomat oder Ölbaron gewesen. Sie unternahm außerordentliche Anstrengungen, damit andere für sie bezahlten. Laut den Staatsanwälten versprach sie einer Freundin eine Reise nach Marokko inklusive aller Ausgaben, ließ sie dann jedoch auf einer 62.000 Dollar-Rechnung sitzen.

Die Hochstaplerin übernachtete trotz eines überzogenen Kontos in Luxushotels und lebte ein Jetset-Leben, das sie sich nicht leisten konnte. Staatsanwälten zufolge fälschte sie ebenfalls Finanzberichte, um ein Darlehen über 22 Millionen Dollar für einen privaten Kunst-Club zu bekommen, in dem sie Ausstellungen, Installationen und Pop-Up-Läden unterbringen wollte, so die Staatsanwälte. Sie bekam das Darlehen nicht. Eine Bank gab ihr jedoch 100.000 Dollar, die sie nicht zurückzahlte.

Der Anwalt der Frau, Todd Spodek, sagte, sie habe geplant, das Geld zurückzuzahlen und nie beabsichtigt, ein Verbrechen zu begehen. Sie habe sich lediglich „Zeit kaufen“ wollen. Spodek stellte sie als ambitionierte Unternehmerin dar, der die Dinge über den Kopf wuchsen, die jedoch keine kriminellen Absichten gehabt habe. Sie sei über das Urteil „bestürzt“ gewesen.

Sie soll am 9. Mai verurteilt werden. Ihr droht eine Haftstrafe zwischen 5 und 15 Jahren, teilte Spodek mit. Außerdem könnte sie nach Deutschland ausgewiesen werden: Behörden sagen, sie habe ihr Visum für die USA überzogen.

(zim/dpa)
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