Animal Peace: Tierschützer bejubeln tödlichen Bullen-Angriff auf Bauern

Nümbrecht: Tierschützer bejubeln tödlichen Bullen-Angriff auf Bauern

Die Kreisbauernschaft Oberbergischer Kreis hat Strafanzeige gestellt. Die Äußerungen von "Animal Peace" seien menschenverachtend.

"Ein Bulle nimmt Rache" steht über dem Foto sowie der Satz "Und wieder steht ein Held aus unserer Mitte auf". So wird auf der Homepage der Tierschutzorganisation "Animal Peace" ein Stier gefeiert, der einen Landwirt in Nümbrecht im Bergischen Land tödlich verletzt hat. "Wir verneigen uns vor dem Held der Freiheit", heißt es. "Mögen ihm viele weitere Rinder in den Aufstand der Geknechteten folgen." Das 61-jährige Opfer wird als "Sklavenhalter" tituliert.

Die Diffamierung eines ihrer Mitglieder wollte die Kreisbauernschaft Oberbergischer Kreis nicht mehr tolerieren: Mit Zustimmung der Hinterbliebenen hat sie am Freitag Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Köln gestellt. "Wenn Menschen keinen Wert mehr besitzen, dann hat der Tierschutz eine neue Dimension erreicht", betont Helmut Dresbach, Vorsitzender der Kreisbauernschaft. Die Grenzen des guten Geschmacks seien mehr als deutlich überschritten.

Bei der Anzeige bezieht sich Dresbach insbesondere auf Paragraf 189 des Strafgesetzbuches, nach dem das Verunglimpfen des Andenken eines Verstorbenen mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden kann.

Das Unglück geschah Anfang Januar in dem Milchviehbetrieb, in dem etwa 60 Tiere leben. Der Landwirt wollte im Stall etwas reparieren. Sein 18-jähriger Sohn fand ihn später leblos auf dem Boden. Der Polizei zufolge hatte der Familienvater wohl die Schiebetür im Stall zur Melkküche richten wollen und wurde dabei von dem Bullen tödlich verletzt.

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Dresbach ist fassungslos, wütend und auch ratlos. "Die Tierschützer unterstellen dem Landwirt, dass er böse war und er eine Strafe verdient hat", sagt er. Dabei habe der Bulle doch in seinem Kuh-Harem "ein schönes Leben". Er sei keine geknechtete, gequälte Kreatur. "Animal Peace" betonte bei Facebook, der Bulle habe sich gewehrt und nie ein "freies, selbstbestimmtes Leben" führen dürfen. "Und jetzt ist er sicher schon tot, umgebracht ohne ein ordentliches Gerichtsverfahren."

Viele weitere Kreisbauernschaften haben sich hinter Dresbach gestellt und die Schmähung ebenfalls verurteilt. Wolfgang Wappenschmidt, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Neuss/Mönchengladbach, befürwortet, dass der Verband klare Kante zeigt. Er kritisiert zudem, dass die notwendige sachliche Diskussion zwischen Viehhaltern und Tierschützern immer häufiger ins Politische, Ideologische und Emotionale abdrifte.

Zu einem Gespräch mit "Animal Peace" ist Dresbach nicht bereit. Für ihn habe Priorität, sich um die Familie des Unglücksopfers zu kümmern. Denn deren wirtschaftliche Existenz steht nach dem Tod des Vaters auf dem Spiel.

(RP)
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