Amokfahrt in Münster: 300 Menschen wollen nach Anschlag Blut spenden

Hilfsbereitschaft und Trauer in Münster: "Was hier passiert, ist beispiellos"

Nach der Todesfahrt eines 48-jährigen Mannes in Münster schweben noch drei Menschen in Lebensgefahr. In Münster brach eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Mehr als 300 Menschen kamen zum Blutspenden.

Eigentlich ist Münster eine der wohl friedlichsten Städte Deutschlands. Mietskasernen oder Wolkenkratzer gibt es in der Innenstadt nicht. Historische Gebäude, unzählige Kneipen und kulturelle Einrichtungen prägen viel mehr das Bild der Studentenstadt. Bis Samstagabend ein 48-jähriger Mann zwei Menschen und sich selbst tötete und rund 20 Menschen verletzte. Drei Personen schweben immer noch in Lebensgefahr. Der Mann fuhr mit einem Campingbus mitten in die Außengastronomie einer belebten Gaststätte am Kiepenkerl und richtete sich danach mit einer Waffe selbst.

Nach der Todesfahrt wurden dringend Blutspenden für die teils schwer Verletzten benötigt. Das Universitätsklinikum rief unter anderem auf Twitter und Facebook die Menschen aus Münster zum Blutspenden auf. "Was dann hier passiert ist, ist beispiellos", sagt Marion Zahr, Sprecherin des Universitätsklinikums Münster auf Anfrage unserer Redaktion.

"Zwischen 19 Uhr und Mitternacht standen rund 300 Menschen Schlange, um Blut zu spenden", sagt die Sprecherin. Nicht alle seien jedoch aus medizinischen Gründen als Spender in Frage gekommen. "Letztlich konnten wir aber von 175 Menschen Blut abnehmen", sagt Zahr. "Das ist einfach überwältigend, wie die Münsteraner da zusammengehalten haben."

Auch die Polizei wurde von den Anwohnern in Münster bis spät in die Nacht unterstützt. Sie versorgten Beamte und die Menschen, die aus Ermittlungsgründen nicht in ihre Wohnungen durften.

Am Sonntagabend ist um 19.30 Uhr ein Gottesdienst im Sankt-Paulus-Dom geplant. Dabei soll, wie das Bistum Münster mitteilte, "für all diejenigen gebetet werden, deren Leben durch die Vorfälle am Samstag auf so schreckliche Weise aus den Angeln gehoben wurde". Der Gottesdienst soll im Internet unter www.bistum-muenster.de sowie auf der Facebook-Seite des Bistums live übertragen werden.

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Auch die Bundesregierung, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie mehrere Minister zeigten sich betroffen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich zutiefst erschüttert und dankte allen Einsatzkräften vor Ort. Steinmeier sagte in Berlin, sein tiefes Mitgefühl gelte "allen, die einen geliebten Menschen verloren haben und in tiefer Sorge sind".

Vor allem aber sind es die Münsteraner selbst, die in dieser Stunde gemeinsam trauern. Am späten Samstagabend versammelten sich spontan mehr als 100 Menschen am Aasee in Münster, um der Opfer der Todesfahrt zu gedenken. Dabei zündeten sie Kerzen an und schwiegen.

Auch "Tatort Münster"-Schauspieler Axel Prahl und Jan Josef Liefers sprachen ihr Mitgefühl aus: "Erste Bilder und Nachrichten aus Münster brechen mir das Herz. Einer der friedlichsten und freundlichsten Orte, die ich kenne - trotz dieses kranken Anschlags. Meine Gedanken sind bei allen Münsteranern, besonders den Toten und Verletzten, ihren Freunden und Angehörigen", schreibt Liefers auf Twitter.

"Münster, bleib wie Du warst und wie wir Dich lieben: offen, friedlich, freundlich, stark und stolz. Lass Dich jetzt nicht unterkriegen", postet Prahl auf Facebook.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Münster am Tag nach der Todesfahrt

(skr)