Diebstähle: Alle sechseinhalb Minuten wird in NRW ein Fahrrad geklaut

Diebstähle : Alle sechseinhalb Minuten wird in NRW ein Fahrrad geklaut

Ein Fahrraddiebstahl ist nicht nur ärgerlich, sondern für den Geschädigten auch eine teuere Angelegenheit. In welchen Gemeinden in NRW die meisten Räder gestohlen werden, zeigen aktuelle Zahlen vom Landeskriminalamt. Wir haben sie für Sie aufbereitet.

Sie knacken die Schlösser, sie brechen in Keller ein oder hebeln Garagentore auf: Fahrraddiebe haben im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen wieder Zehntausende Male zugeschlagen.
Sie stahlen zwar weniger Räder als im Jahr zuvor. Allerdings bleibt die Aufklärungsquote dürftig: Nach wie vor wird nur etwa jeder 14. Fall aufgeklärt, in den weitaus meisten Fällen fehlt von einem Dieb jede Spur.

In Nordrhein-Westfalen wird alle sechseinhalb Minuten ein Fahrrad gestohlen - zumindest offiziell. Nach Angaben des Landeskriminalamtes waren Fahrraddiebe in NRW 2016 insgesamt 80.689 Mal erfolgreich, das sind 3,8 Prozent weniger Taten als im Vorjahr. Aber die Dunkelziffer ist Branchenexperten zufolge sehr hoch, weil viele Radler den Diebstahl gar nicht mehr den Behörden melden.

Unangefochtene Hochburg der Fahrraddiebe bleibt Münster. In der "Fahrradhauptstadt" mit ihren rund 310.000 Einwohnern wurden im vergangenen Jahr 5337 Räder geklaut, ein erneuter Anstieg, dieses Mal um 2,8 Prozent. Häufiger schlugen Diebe nur in Köln zu (8015 Mal, minus 0,3), allerdings leben dort auch mehr als eine Million Menschen. In Bonn nahm die Zahl um 8,6 Prozent zu auf 2866 Fälle, in Duisburg sogar um 18,9 Prozent auf 3416 und in Paderborn um 14,2 Prozent (146 Räder) auf 1178.

In diesen Städten und Gemeinden in der Region gab es 2016 mehr Fahrraddiebstähle:

In diesen Städten und Gemeinden in der Region gab es 2016 weniger Fahrraddiebstähle:

Recklinghausen: 540 Diebstähle; 1,1 Prozent weniger als im Vorjahr

Wuppertal: 391 Diebstähle; 18,7 Prozent weniger als im Vorjahr

Die gesamte LKA-Liste der Fahrraddiebstähle nach Gemeinde in NRW finden Sie hier.

In anderen nordrhein-westfälischen Großstädten scheinen Fahrradbesitzer sicherer zu sein, zumindest mit Blick auf die Statistik: Während in Düsseldorf fast ein Fünftel (18,2 Prozent) weniger Fahrräder gestohlen wurden, sich aber dennoch 3612 Besitzer ärgern mussten, waren es in Oberhausen 8,6 Prozent (571) weniger und in Wuppertal 18,7 Prozent (391) weniger. Vor allem in Essen waren Fahrraddiebe deutlich seltener auf Beutezug - oder erfolgloser: Dort registrierte die Polizei 2321 Diebstähle, 32 Prozent weniger.

Ja, natürlich. Einige Städte und vor allem Gemeinden überraschen mit einer überaus starken Zunahme, allerdings auf geringem Niveau: So nahm im sauerländischen Balve die Zahl um enorme 700 Prozent zu - allerdings wurde vor zwei Jahren auch nur ein einziger Fahrraddiebstahl angezeigt. In Blankenheim stieg sie um 600 Prozent bei sieben Diebstählen im vergangenen Jahr.

Natürlich ist die Zahl der Diebstähle in NRW nach wie vor hoch. Sie war allerdings auch schon einmal deutlich höher: Vor knapp 20 Jahren wurden mehr als 107.000 Räder gestohlen, 2003 sogar über 118.000. Seit 2014 ist die Zahl dagegen stetig gesunken.

Nicht wirklich, zumindest nicht offiziell. Der "typische Fahrraddieb" ist laut LKA zwar über 21 Jahre alt. Bei 293 angezeigten Fällen hatte die Polizei aber auch Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren in Verdacht.

Nein. "Es sind auch zum Teil Banden unterwegs, die organisiert zuschlagen", sagte Daniel Wegerich vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Das zeigt auch ein Beispiel aus Hamburg. Dort stellten die Polizei vor kurzem rund 1500 Fahrräder in Lagerhallen sicher. Zum Abtransport des Diebesguts kam das Technische Hilfswerk mit 15 Lastwagen und einem Gabelstapler. Die Lagerhallen inmitten eines Gewerbegebietes waren laut Polizei offensichtlich der Sammelpunkt für Hamburg und Norddeutschland. Von dort seien die Räder mit Kleintransportern nach Osteuropa gebracht worden.

Hundertprozentige Sicherheit bietet kein Schloss. Doch man kann es den Langfingern sehr schwer machen. Eine Grundregel: Schnell zu knackende Schlösser ziehen sie eher an. "Viele sind Gelegenheitstäter", sagt Oliver Wiesmann vom Hersteller Trelock in Münster. Ein günstiges Spiralkabelschloss zum Beispiel leistet Dieben nur wenig Widerstand und ist schnell durchgetrennt. "Je nach Schloss geht das schon mit leichterem Haushaltswerkzeug."

"Ein gutes Schloss wiegt viel und kostet auch einiges", sagt Daniel Wegerich vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Nordrhein-Westfalen. Die Faustregel lautet: Rund zehn Prozent des Radpreises sollten für das Schloss investiert werden. Und kein Schloss der Welt hilft, wenn das Rad einfach weggetragen werden kann. Deshalb sollte es immer angeschlossen werden.

Hier geht es zur Infostrecke: So sichern Sie Ihr Fahrrad gegen Diebstahl

(lnw /ham)
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