Alle-mal-malen-Mann in Bonn gestorben: Jan Loh war für die Bonner ein "zu Hause"-Gefühl

Jan Loh: Bonn trauert um den "Alle mal malen"-Mann

Bonn trauert um ein Urgestein: Jan Loh, den Bonnern vor allem als "Alle mal malen"-Mann bekannt, ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Jahrzehntelang prägte und bereicherte er die Kneipenlandschaft. Nachruf auf einen umstrittenen Künstler und unumstrittenen Menschen.

Die Unwissenheit wich dem Unglaube. Die Sorge der Trauer. Die Bundesstadt Bonn hat Jan Loh verloren. Einen Menschen, der außerhalb der Stadtgrenzen kaum bekannt war, dafür innerhalb "bekannter als der Bürgermeister ", wie ein User im Internet treffend kommentierte. Einen Menschen, der Abbild des bönnschen Lebensgefühls war und prägend für die lebens- und liebenswerte Bonner Altstadt.

Jan Loh mit dem Gruppen-Porträt in
Jan Loh mit dem Gruppen-Porträt in einer Bonner Kneipe. Foto: Andreas Dyck

"Alle mal ein bisschen malen hier?"

Als "Alle mal malen"-Mann zog Jan Loh über 25 Jahre durch die Bonner Kneipen und porträtierte die Gäste. Tausende müssen im Laufe der Jahre seine Standardfrage gehört haben: "Alle mal ein bisschen malen hier?" Der ehemalige Staatssekretär und Bonner Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber gehörte dazu, er schrieb auf Twitter: "Wie traurig, im Dezember hatten mein Bonner Büro-Team und ich uns noch beim Weihnachtsessen von ihm malen lassen." Im Jahr 2014 gestaltete Loh das Wahlplakat der Linken mit dem Slogan "Alle mal wählen". Auch so mancher Oberbürgermeister wurde von Loh mit Bleistift auf Papier porträtiert.

In solchen Situationen neigte der Mann seinen großen Kopf mit dem dünnen, grauen Haar zur Seite, musterte sein Gegenüber, spitzte seinen Stift nochmal an und rückte mit seinen langen Fingern das Papier vor ihm zurecht. Innerhalb weniger Minuten entstand dann meist ein Strichgebilde, welches entfernte Ähnlichkeit mit dem Gegenüber aufwies.

Ja, über den künstlerischen Wert seines Schaffens gab es stets verschiedene Meinungen. Manch Gemalter soll sich sogar beim Künstler über dessen Skizzen beschwert haben. "Die Leute kennen sich ja nicht von der Seite. Sie gucken ja immer gerade in den Spiegel", verteidigte sich Loh einmal, als ihn der General-Anzeiger für eine Reportage begleitete. "Viele Menschen mögen sich selbst nicht. Die wollen sich nicht malen lassen. Die Leute glauben immer, sie sollen nach Schönheit streben." Auf Twitter und Facebook eröffneten Unbekannte einen Account unter seinem Namen und verbreiteten Lohs gesammelte Werke.

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Jan Loh gehörte zu Bonn

Völlig unbestritten ist hingegen sein emotionaler, menschlicher Wert. "Für so viele Bonner war er ein Zuhause-Gefühl", kommentierte eine Nutzerin auf Twitter. Mit seiner Mischung aus Rotzigkeit und Humor schaffte er es in all den Jahren, die Sympathie so ziemlich aller Menschen zu gewinnen, die er auf seinem Weg durch Bonns Kneipen und Biergärten traf – und meist fragte: "Darf ich euch mal ein bisschen malen hier?"

Wer dann nicht wollte, der bekam auch mal eine schnippische Antwort oder musste sich gegen Lohs Charme zur Wehr setzen. Dabei vermied es Loh stets, allzu viel von sich selbst preis zu geben. Bekannt ist, dass er zu Zeiten der Bonner Republik im Entwicklungsministerium beschäftigt war und gebürtig aus Gladbeck kommt. Dass er tatsächlich Jan Loh hießt, wird bis heute angezweifelt. Auch über seine Familienverhältnisse wurde in Bonn wenig bekannt.

Als er nun in der vergangenen Woche plötzlich nicht mehr gesehen wurde, begannen die Gerüchte um Jan Lohs Ableben. "Ich kann mich an keinen Tag erinnern, an dem er in den letzten zehn Jahren nicht da war – bis auf vergangene Woche", sagt Stefan Bernhard, Wirt von Lohs Stammlokal, dem GA.

Am Montag dann wurde aus den Gerüchten Gewissheit: Jan Loh ist tot. Am Donnerstag starb er im Alter von 86 Jahren an den Folgen eines Sturzes.

(cbo)