Afrikanische Schweinepest in NRW: Wie sich der Erreger verbreitet

Fragen und Antworten: Was Wurstbrote mit der Schweinepest zu tun haben

Landwirte befürchten, dass die Tierseuche sich auch in Deutschland ausbreitet. Doch wie überträgt sich das Virus und was haben Schinkenbrote mit der Übertragung zu tun? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zur Afrikanischen Schweinepest.

Die Tierseuche ist eine Virus-Infektion. Sie kommt - wie der Name sagt - aus Afrika und befällt dort vor allem Warzenschweine und Buschschweine, die an der Krankheit aber nicht sterben. Das Virus wird über die Lederzecke übertragen. Bei Hausschweinen und Wildschweinen löst das Virus sehr hohes Fieber aus, was für Schweine gefährlich ist, weil Schweine nicht schwitzen können. Der Erreger greift aber auch Organe an. Bei Untersuchungen fand man Schäden an den Organen wie Schaum in der Lunge oder schwarz verfärbte Lymphdrüsen.

Derzeit ist vor allem der Nordosten Europas betroffen. In Estland, Lettland, Litauen und im Norden Polens ist die Seuche weit verbreitet. Dort hat sich das Virus seit 2014 festgesetzt, sagt Elke Reinking, Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit (FLI). Im Juni 2017 trat der erste Fall in Tschechien auf. (Auf dieser Karte können Sie sehen, wo sich die Krankheit verbreitet.) In Deutschland gibt es bislang keinen Fall.

Der erste Fall trat 2007 in Georgien in der Hafenstadt Poti auf. Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts vermuten, dass ein ostafrikanisches Schiff dort seine Speiseabfälle auf einer ungesicherten Müllhalde entladen hat. Das Virus kann sich in rohen Speisen monatelang halten. Dort könnte sich zum ersten Mal ein Wildschwein infiziert haben. Von Georgien aus hat sich das Virus bis nach Nordost-Europa verbreitet.

Forscher haben herausgefunden, dass sich das Virus vor allem entlang von Verkehrswegen verbreitet. Das legt den Schluss nahe, dass der Mensch erheblich zur Verbreitung beiträgt. Normalerweise überträgt sich die Krankheit nur von Tier zu Tier. Wildschweine können die Krankheit auf Hausschweine übertragen - durch direkten Kontakt oder, indem Menschen als stille Überträger das Virus weiterverbreiten. Die Viren sind in einer hohen Konzentration vor allem im Blut der Tiere enthalten und halten sich auch monatelang in rohen Lebensmitteln wie Schinken oder Leberwurst. Daher gibt es die sogenannte Wurstbrot-Theorie, demnach Lkw-Fahrer oder Reisende in ihrer Brotdose weitertragen. "Es reicht, wenn jemand ein Brot mit rohen Schinken, in dem das Virus ist, aus dem Fester wirft oder auf einem Rastplatz in einer offenen Mülltonne entsorgt. Dann können Wildschweine damit in Kontakt kommen", sagt Elke Reinking.

Es kann passieren, dass virenbelastetes Fleisch zu rohem Schinken oder Leberwurst verarbeitet wird. Das geschieht, in dem Tiere geschlachtet werden, die zwar mit dem Virus infiziert, bei denen die Krankheit aber noch nicht ausgebrochen ist.

  • Afrikanische Schweinepest : Bauernverband fordert Tötung von 70 Prozent aller Wildschweine

Nein. Menschen können das Virus zwar durch Spuren von infizierten Schweineblut an der Kleidung übertragen oder in Fleischprodukten zu sich nehmen, aber sie werden nicht krank davon. Deswegen müssen vor allem Jäger und Schweinehalter aufpassen und Hygienevorschriften einhalten.

Es droht ein enormer wirtschaftlicher Schaden. Denn sobald nur ein Tier in einer Schweinemast betroffen ist, muss der gesamte Bestand getötet werden. Sobald ein Fall bei einem deutschen Wildschwein auftritt, müssen auch europäische und internationale Behörden informiert werden. Die Krankheit ist meldepflichtig. Das hat zur Folge, dass der Handel mit Schweineprodukten mit Drittländern wie China oder Russland eingeschränkt wird, teilt das FLI mit.

Einen Impfstoff gegen die Afrikanische Wildschweinpest gibt es nicht. In Tschechien wurde rund um die Ausbruchstelle eine Kerngebiet eingerichtet. Mithilfe von Duftmarken werden die Wildschweine in diesem Gebiet gehalten. "Ansonsten hat man die Tiere zunächst in Ruhe gelassen, sie also auch nicht bejagt", sagt Elke Reinking. Um das Kerngebiet wurde ein als gefährdet eingestufter Bezirk eingerichtet, in dem intensiv gejagt wurde - Tschechische Polizisten halfen den Jägern bei der Jagd. Dennoch sind auch außerhalb dieses Kerngebiets neue Fälle aufgetreten. "Das zeigt, wie schwierig die Eindämmung ist", sagt Reinking.

"Die Wildschweindichte zu reduzieren, ist sinnvoll", teilt das FLI mit. Aber: 70 Prozent aller Wildschweine zu töten, ist kaum zu realisieren, so das FLI weiter. Das hatte der Bauernverband gegenüber unserer Redaktion gefordert. Dazu müsste man ohnehin zunächst feststellen, wie viele Wildschweine es gibt. In NRW wird der Bestand nicht erfasst, teilt das Landesamt für Natur- und Umweltschutz mit. Aufschluss über die Größe der Population gibt nur die Zahl der erlegten Wildschweine. 2017 wurden etwa 39.000 Wildschweine geschossen. Die Zahlen steigen seit mehreren Jahren. Denn in Deutschland sind die Lebensbedingungen für die Tiere wegen des großen Futterangebots sehr gut, so dass die Bachen bis zu drei mal im Jahr Nachwuchs bekommen.

Grundsätzlich wolle man mehr jagen, teilt Andreas Schneider, Sprecher des nordrhein-westfälischen Jagdverbands, mit. Ob es möglich ist, dass Jäger 70 Prozent aller Wildschweine schießen, dazu will er sich nicht äußern. Der Jagdverband fordert von der neuen Landesregierung eine Lockerung des Jagdgesetzes der rot-grünen Landesregierung. Dieses habe die Wildschweinjagd schwieriger gemacht, was etwa die Jagdzeiten und das Kirren (Anlocken der Tiere) betrifft. Außerdem erschwere der Schießnachweis die Teilnahme von Jägern aus anderen Bundesländern an einer Jagd in Nordrhein-Westfalen.

(heif)