Ausschluss der Ex-post-Triage Ärztekammer Nordrhein kritisiert Triage-Gesetz

Düsseldorf · Die Ärztekammer Nordrhein hat die vom Bundestag beschlossene Neuregelung der Triage kritisiert. Für Ärzte und Ärztinnen müsse das Kriterium der aktuellen und kurzfristigen Überlebenswahrscheinlichkeit für alle Patientinnen und Patienten gelten – „nicht nur die mit übertragbaren Krankheiten wie Covid-19“, sagte Ärztekammer-Präsident Rudolf Henke.

Ärztekammer Nordrhein kritisiert Triage-Gesetz

Ärztekammer Nordrhein kritisiert Triage-Gesetz

Foto: dpa/Sven Hoppe

Die Ärztekammer Nordrhein hat die vom Bundestag beschlossene Neuregelung der Triage kritisiert, die eine „Ex-post-Triage“ ausschließt. „Wenn ein starres Zuteilungsprinzip nach der Maxime 'Wer zuerst kommt, mahlt zuerst' an die Stelle der ärztlichen Indikation im Einzelfall tritt, dann sind für den Fall einer notwendigen Behandlungspriorisierung mehr erfolglose Behandlungen und mehr Todesfälle als nötig zu befürchten“, sagte Ärztekammer-Präsident Rudolf Henke am Samstag in Düsseldorf.

Seiner Ansicht nach muss für Ärzte und Ärztinnen das Kriterium der aktuellen und kurzfristigen Überlebenswahrscheinlichkeit für alle Patientinnen und Patienten gelten, die die knappe Behandlungsressource benötigten - „und nicht nur für diejenigen mit übertragbaren Krankheiten wie Covid-19“. Als Beispiel nannte Henke etwa Patienten mit Herzinfarkt oder Schlaganfall. Der Ausschluss der Ex-post-Triage verhindere aber die Umsetzung genau dieses Kriteriums, sagte er.

Triage bedeutet, dass es zu viele schwer erkrankte oder verletzte Patientinnen und Patienten für die Kapazität des Gesundheitssystems gibt. Das medizinische Personal muss daher in solchen Situationen auswählen, wer noch behandelt wird und wer nicht.

Bei der sogenannten Ex-ante-Triage geht es darum, unter jenen Behandlungsbedürftigen auszuwählen, die in ähnlich kritischem Zustand in eine Klinik eingeliefert werden. Ex-post-Triage meint, dass eine Behandlung von Patientinnen oder Patienten zugunsten anderer mit besserer Überlebenswahrscheinlichkeit abgebrochen wird.

Das am Donnerstag vom Bundestag beschlossene Triage-Gesetz sieht vor, dass in Triage-Situationen medizinische Ressourcen etwa im Krankenhaus nur aufgrund „der aktuellen und kurzfristigen Überlebenswahrscheinlichkeit“ zugeteilt werden dürfen. Eine Benachteiligung wegen Behinderung, Alter, Geschlecht oder Herkunft untersagt das Gesetz.

(aku/epd)