Abtreibung in NRW: Nachwuchsärzte müssen sie nicht durchführen

Während der Ausbildung : Nachwuchsärzte in NRW brauchen keine Abtreibungen durchführen

Lediglich in der Theorie müssen sie sich mit medizinischen und ethischen Aspekten eines Schwangerschaftsabbruchs befassen.

Werdende Frauenärzte in Nordrhein-Westfalen müssen während ihrer Ausbildung keine Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Während der praktischen Facharztausbildung nach dem Studium können sie zwar die operativen und medikamentösen Eingriffe erlernen, wie NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) am Donnerstag auf eine SPD-Anfrage mitteilte. Sie werden nach der geltenden Berufsordnung aber nicht gezwungen, an einem Schwangerschaftsabbruch teilzunehmen.

Alle Medizinstudenten in NRW müssen sich laut Pfeiffer-Poensgen jedoch zumindest theoretisch mit medizinischen und ethischen Aspekten eines Schwangerschaftsabbruchs auseinandersetzen. In den Prüfungen würden auch Themen wie Beratung bei Konfliktsituationen sowie Risikoschwangerschaften abgefragt. Vorlesungen, Seminare und Praktika sowie der Austausch zwischen Studenten und Simulationspatientinnen zielten auf "die Schulung einer Haltung und Einstellung zum ethisch komplexen Thema der Abtreibung" ab. Dabei würden auch nichtstaatliche Mitarbeiter etwa der Beratungsorganisation pro familia einbezogen.

Die SPD kritisierte in ihrer Anfrage, dass sich die Versorgungssituation bei Schwangerschaftsabbrüchen in den vergangenen Jahren verschlechtert habe. Das liege auch daran, dass nur wenige Nachwuchsärzte während des Studiums praktisch mit dem Thema in Berührung kämen.

In NRW hat laut NRW-Familienministerium die Zahl der Schwangerschaftskonflikt-Beratungen zuletzt zugenommen. 2017 wurden landesweit 34.403 Beratungsscheine an Schwangere in Konfliktsituationen ausgegeben. Im Jahr zuvor wurden 733 Fälle weniger registriert.

Eine Abtreibung wird toleriert, wenn sie auf Wunsch der Schwangeren durchgeführt wird. Allerdings darf sie sich höchstens in der zwölften Schwangerschaftswoche befinden. Mehr Informationen zu dem Thema finden Sie hier.

Hier geht es zur Infostrecke: Was Sie zum Thema Abtreibung wissen müssen

(dtm/kna)