Reaktionen zu NRW-Abi-Panne „Das ist kommunikativ unterirdisch“

Düsseldorf · Wegen einer Technik-Panne werden die NRW-Abiprüfungen um zwei Tage verschoben. Warum sich nicht nur die Schülerinnen und Schüler enorm darüber ärgern und wie das Netz reagiert.

 Heute Abitur? Nicht in NRW! Wegen einer Panne wurden die Prüfungen verschoben.

Heute Abitur? Nicht in NRW! Wegen einer Panne wurden die Prüfungen verschoben.

Foto: dpa/Sina Schuldt

Die für Mittwoch geplanten Abiturklausuren in Nordrhein-Westfalen sind wegen massiver technischer Probleme kurzfristig auf Freitag verschoben worden. Das teilte NRW-Schulministerin Dorothee Feller am Dienstagabend mit. Die Störung habe aber den Download der Prüfungsaufgaben verhindert, sodass die Schulen die Aufgaben nicht rechtzeitig bekommen konnten.

Betroffen sind die Prüfungsfächer Biologie, Chemie, Ernährungslehre, Informatik, Physik und Technik. Viele Lehrer hätten in den Schulen bis zum Abend auf den Download gewartet, bis dieser dann abgesagt worden sei. „Schüler und Lehrer sind zum Teil richtig sauer“, sagte die Landesvorsitzende des Philologenverbandes NRW, Sabine Mistler.

Vor allem die Kommunikation des NRW-Schulministeriums wird scharf kritisiert. Dario Schramm, ehemaliger Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, schreibt auf Twitter: „Keine Entschuldigung an Lehrer:innen oder Schüler:innen, keine persönlichen Worte. Das ist kommunikativ unterirdisch.“ Besonders ärgerlich sei die Tatsache, dass die Prüfungen ausgerechnet auf Freitag geschoben wurden - an diesem Tag ist der höchste Muslimische Feiertag, das Zuckerfest. Außerdem droht die Bahn an diesem Tag mit weiteren Streiks.

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Foto: dpa/Malte Krudewig

Die Landesschülervertretung (LSV) NRW hat das Schulministerium ebenfalls stark kritisert und auf die Belastung für die Prüflinge hingewiesen. „Schon wieder müssen wir Schüler*innen das Versagen der Landesregierung ausbaden“, sagte Phil Robin Weber aus dem Landesvorstand laut einer Mitteilung vom Mittwoch. Der Ausweichtermin am Freitag sei eine Katastrophe. Für den Tag ist ein Bahnstreik angekündigt, außerdem beginnt das muslimische Zuckerfest.

„Die Stimmung ist natürlich wahnsinnig schlecht“, sagte Theo Blaesse aus dem Landesvorstand mit Blick auf die Betroffenen. Man werde im Schulsystem de facto dazu erzogen, auf den Punkt zu lernen. Alles sei auf einen Prüfungstag ausgerichtet, der schon lange feststehe. Die Verschiebung sei daher für viele eine mentale Belastung. „Ich schätze, dass man das hinterher auch an den Ergebnissen im Vergleich zu den Vorjahren sehen kann“, sagte er. Zu einer möglichen Forderung etwa nach einem Punkteausgleich habe man noch keine klare Position. Man will demnach abwarten, wie stark der Leistungsabfall ist.

In Kevelar hätte an der Gesamtschule zum ersten Mal eine Abiturpüfung stattgefunden. „Für die Schüler tut es mir unendlich leid“, sagt Schulleiter Christoph Feldmann. Deren eigene Lehrpläne wären genau auf den Tag zugeschnitten gewesen. Auch die Jugendlichen hätten den ganzen Tag über gebangt. „Ich hätte mir eine schnellere Entscheidung vor allem im Sinne der Schüler gewünscht“, sagt Feldmann.

Auch Eltern haben wenig Verständnis für die Panne und die Kommunikation des Schulministeriums. So schreibt ein Vater auf Twitter: „Wer ist verantwortlich für die technischen Probleme und dafür, dass der Plan B einfach nur ‚verschieben‘ lautet? Und warum kommt hier kein Wort des Bedauerns und kein Versuch einer Entschuldigung?“. Eine Lehrerin schreibt: „Liebes Bildungsland NRW, einen allerherzlichsten Glückwunsch für den kreativsten Garant, dass der aktuelle Abijahrgang sicherlich nicht Lehramt studieren wird. Von denen hat ab heute gewiss keiner mehr Lust auf Schule.“

Manche Nutzer sind sogar zu Scherzen aufgelegt. So fragt einer: „Hey Babe, bist du das Abitur 2023 NRW, oder warum komme ich nicht an dich ran?“.

Der Präsident des Lehrerverbandes NRW, Andreas Bartsch, kritisierte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass das Schulministerium den IT-Dienstleister gewechselt habe und viele Schulleiter darüber verärgert seien, dass es keinen Testlauf für den Download gegeben habe. Der Wechsel des Dienstleisters habe zudem ohne Beteiligung von Schulvertretern stattgefunden, der mehrfache Hinweis darauf, das System frühzeitig zu testen, sei ignoriert worden.

Scharfe Kritik kam auch von der Opposition. Die Ministerin habe über die Verschiebung der Prüfung viel zu spät informiert, sagte die SPD-Abgeordnete Dilek Engin. „Das ist wirklich ein katastrophales Kommunikationsverhalten von Frau Feller. Ausbaden müssen es jetzt die Lehrkräfte und die Abiturienten, insbesondere die Schülerinnen und Schüler muslimischen Glaubens, die am Freitag das Zuckerfest feiern.“

Das Ministerium werde die Störung gemeinsam mit dem externen Dienstleister „intensiv aufarbeiten“, versprach derweil die Ministerin. Es gehe darum, „die notwendigen Konsequenzen zu ziehen, damit die Prüfungen an den Folgetagen störungsfrei durchgeführt werden können“.

(mit Material von dpa)
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