Abi-Scherze in NRW: Polizei warnt vor Eskalation und Randale

Nach Ausschreitungen im vergangenen Jahr : Schüler und Lehrer schließen Abi-Scherz-Vertrag - um Chaos zu verhindern

An den Schulen haben die Abitur-Mottowochen begonnen. Zuletzt kam es dabei immer wieder zu Ausschreitungen. Um das zu verhindern, haben Schüler und Lehrer am Duisburger Mercator-Gymnasium einen Vertrag unterschrieben.

Schüler, Lehrer und Eltern des Duisburger Mercator-Gymnasiums sind sich einig: Vermummte Abiturienten, die randalierend durch die Stadt ziehen, will niemand mehr sehen. Um solche Ausschreitungen wie im vergangenen Jahr zu verhindern, haben Schulleitung und Vertreter der Abitur-Jahrgangsstufe diesmal einen Vertrag abgeschlossen, den beide Seiten gemeinsam ausgehandelt und unterschrieben haben.

Er beinhaltet eine Reihe von Abstimmungen und Regeln, an die sich Lehrer wie Schüler zu halten haben. So dürfen die Abiturienten des Mercator-Gymnasiums unter anderem andere Schulen nicht besuchen, selbst wenn sie von den anderen im Rahmen der Mottowochen provoziert werden sollten. Zudem werden erstmals Eltern während des Abi-Scherzes anwesend sein, um auf ihre Kinder einzuwirken. „Alle Beteiligten haben schon vor einem halben Jahr konstruktive Gespräche miteinander geführt“, sagt Raimund Hermes, kommissarischer Schulleiter des Mercator-Gymnasiums. „Die Schüler sind sich ihrer Verantwortung bewusst. Und aus den Gesprächen ging auch hervor, dass es ihnen wichtig ist, die Scharte aus dem vergangenen Jahr wett zu machen. Das Ansehen der Schule ist den Schülern wichtig.“

Landesweit haben an den weiterführenden Schulen die sogenannten Motto-Wochen und Abi-Scherze begonnen, die traditionell in der letzten Woche vor den Osterferien stattfinden. Dabei verkleiden sich die Abiturienten und feiern ihren bevorstehenden Abschied von ihrer Schulzeit. Doch dabei ist es gerade in den vergangenen Jahren immer wieder zu Ausschreitungen mit Sachbeschädigungen und Körperverletzungen gekommen. „Straftaten werden von der Polizei konsequent geahndet“, warnt der NRW-Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Erich Rettinghaus. „Die Schüler sollen ja feiern. Aber was in den vergangenen Jahren zum Teil abgelaufen ist, war zu viel des Guten. Die Feiern müssen im Rahmen bleiben. Auch Vermummungen sind verboten“, betont Rettinghaus.

In Köln, wo es zwischen Schülern einzelner Schulen in der Vergangenheit heftige Auseinandersetzungen gegeben hat, fährt die Polizei während der Mottowoche verstärkt Streife an den Gymnasien. In Oer-Erkenschwick musste die Polizei bereits eingreifen, weil ein Videodreh von Jugendlichen für die anstehende Abitur-Feier außer Kontrolle geraten war. Passanten hatten die Polizei alarmiert, weil sie in der Nähe einer Schule und eines Kindergartens bewaffnete Personen gesehen hatten. Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei um Abiturienten mit Spielzeugwaffen. Ein 17-Jähriger erhielt eine Anzeige, weil laut Polizei auch das Tragen von Nachahmungs-Waffen einen Verstoß gegen das Waffengesetz darstellen kann.

Der nordrhein-westfälische Philologenverband appelliert an die Vernunft der Schüler. „Die Abiturienten haben eine soziale Verantwortung. Und dazu gehört es auch, zu wissen, wo bei den Feiern die Grenzen sind“, sagt Sabine Mistler, NRW-Vorsitzende des Philologenverbandes. Die Schulen würden im Vorfeld unterschiedlich mit diesem Thema umgehen. „Die einen führen Beratungsgespräche mit den Schülern, die anderen nicht. Es gibt diesbezüglich keine festgeschriebenen Richtlinien“, so Mistler. Auch NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) mahnt die Jugendlichen. „Bei aller Ausgelassenheit muss völlig klar sein, dass die Mottowoche friedlich und rücksichtsvoll zu gestalten ist“, so Gebauer. „Ausschreitungen sind auch bei so freudigen Ereignissen nicht akzeptabel.“

Gymnasien in Köln haben insbesondere nach dem sogenannten „Abi-Krieg“ ein Abkommen getroffen. In einer Resolution verpflichten sich die Schulen untereinander zu einem friedlichen Umgang. „Ausschreitungen, wie es sie im Jahr 2016 während der Mottowoche gegeben hat, gehören selbstverständlich überhaupt nicht zu den Feierlichkeiten von Abiturjahrgängen und werden deshalb von uns verurteilt“, heißt es in der Vereinbarung.

Am Duisburger Mercator-Gymnasium sind direkt nach den Ausschreitungen im vergangenen Jahr Ordnungsmaßnhamen gegen einzelne Übeltäter eingeleitet worden. Zudem ist das Kollegium geschlossen der Abiturfeier ferngeblieben, und die obligatorische Zeugnisübergabe hat auch nicht stattgefunden. Schulleiter Raimund Hermes hofft, dass es dazu in diesem Jahr nicht kommen wird. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass alles im Rahmen bleibt. Aber natürlich kann man nie ganz ausschließen, dass Einzelne über die Stränge schlagen.“

(csh)
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