Frau inzwischen außer Lebensgefahr Viele offene Fragen nach Großeinsatz am Aachener Luisenhospital

Update | Aachen · Es brennt in einem Krankenhaus, eine 65-Jährige verschanzt sich in einem Raum der Klinik. Stundenlang bemühen sich Polizei und Feuerwehr, bis ein Zugriff die diffuse Lage beendet. Was sind die Hintergründe?

Aachen: Frau verschanzt sich in Luisenhospital – Fotos
22 Bilder

Frau verschanzt sich in Aachener Luisenhospital

22 Bilder
Foto: dpa/Henning Kaiser

Die 65-jährige Frau, die am Montagabend im Aachener Luisenhospital von der Polizei mit Schüssen gestoppt worden ist, schwebt nicht in Lebensgefahr. Das sagte eine Sprecherin des Aachener Staatsanwaltschaft am Dienstagmorgen. Weitere Details gab die Sprecherin zunächst nicht bekannt. Die Frau war durch die Schüsse schwer verletzt worden. Sie wurde noch in der Nacht medizinisch versorgt.

Nach dem Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr haben die Ermittler am Dienstag viele offene Fragen zu klären. Eine Frau hatte dort am Montagabend mit einer Sprengstoff-Attrappe und einer Schreckschusswaffe stundenlang Angst und Schrecken verbreitet. Die Ermittler gehen von Suizidabsichten aus.

Im Laufe des Einsatzes war bekannt geworden, dass die Wohnung der Frau in Eschweiler am Montagnachmittag ausgebrannt war. Sie wird verdächtigt, den Brand selbst gelegt zu haben. Das Kölner Polizeipräsidium berichtete am frühen Dienstagmorgen von einem entsprechenden Brief. Einzelheiten zu den Hintergründen wurden zunächst nicht bekannt.

Das war passiert

„Die 65-Jährige soll das Luisenhospital gegen 17 Uhr mit einer Waffe, die sich erst später als Schreckschusswaffe herausstellte, einem auffallend großen Gürtel und einem weiteren, bislang unbekannten, Gegenstand betreten und Angestellte der Physiotherapiepraxis bedroht haben“, heißt es im Polizeibericht. Nachdem es einem Mitarbeiter gelungen sei, ihr die Waffe zu entziehen, soll sie sich in ein Patientenzimmer zurückgezogen, einen pyrotechnischen Gegenstand entzündet und auf den Gang geworfen haben.

Als sie um 22.38 Uhr den Raum verlassen und versucht habe, einen Gegenstand auf dem Gang abzubrennen, hätten die Polizisten die Schusswaffe gezogen, um die Gefahrenlage zu beenden. Dabei habe die Frau schwere Verletzungen erlitten und sei medizinisch versorgt worden. Details zur Art der Verletzungen wurden zunächst nicht mitgeteilt. Weitere Personen sind ersten Angaben zufolge nicht zu Schaden gekommen.

Anlass des blutigen „Notzugriffs“: Der auffallend große Gürtel der 65-Jährigen sah für die Polizisten aus wie ein Sprengstoffgürtel. Zudem habe sie „einen verdächtigen Gegenstand“ in der Hand gehalten und sich auf die Einsatzkräfte zubewegt. Da die Frau nicht auf Ansprache reagiert habe, sei es schließlich zum Schusswaffengebrauch gekommen. Erst später hätten Fachkräfte des Landeskriminalamts klären können, dass es sich bei dem Gürtel um eine Attrappe gehandelt habe.

Der Aachener Feuerwehr war am späten Montagnachmittag ein Brand im Luisenhospital gemeldet worden. Erst am späten Abend meldete die Stadt Aachen, dass das Feuer im Bettenbereich der Klinik gelöscht werden konnte.

Demnach waren fast 400 Leute vor Ort. Die Notfallseelsorge sei mit elf Personen vertreten gewesen. 73 betroffene Personen aus dem Luisenhospital seien betreut worden. „Vier Personen aus der Intensivstation müssen in andere Krankenhäuser transportiert werden“, teilte die Stadt mit. 270 Patienten hätten im Krankenhaus bleiben können. In den Stunden vor dem Zugriff war zu sehen, wie der Klinikbetrieb hinter dem schmiedeeisernen Gitter der weiträumig abgesperrten Klinik zumindest teilweise weiterlief.

Der Klinikbereich im unmittelbaren Umfeld der Frau war sofort evakuiert worden. Patienten und auch das Personal seien in Sicherheit gebracht worden, berichtete der Aachener Polizeisprecher Andreas Müller. Ein Spezialeinsatzkommando war schwer bewaffnet im Einsatz, zeitweise kreiste ein Hubschrauber über dem Hospital. Immer wieder hatte es Spekulationen über eine mögliche Geiselnahme gegeben, die die Polizei aber nicht bestätigt hatte.

Während des mehrstündigen Einsatzes war es auch zu Einschränkungen des Straßen- und des Bahnverkehrs gekommen. Im Westen der Stadt war vorsichtshalber ein Streckenabschnitt der Bahn gesperrt worden, Züge warteten an Bahnhöfen.

Das am Rand des Zentrums gelegene Krankenhaus wird von einem evangelischen Verein getragen. Nach eigenen Angaben werden in 15 Kliniken Patienten mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern behandelt. Ob die Frau das Krankenhaus gezielt ausgesucht hatte, gehört zu den offenen Fragen.

Konsequenzen

Die 65-Jährige müsse mit einem Strafverfahren wegen versuchter Tötung rechnen, hieß es in der Nacht in einer Polizeimitteilung. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte am Morgen nicht, ob die 65-Jährige am Dienstag einem Haftrichter vorgeführt werden sollte. Um die Mittagszeit plane die Behörde eine schriftliche Mitteilung, sagte sie.

Betrieb läuft weiter

Nach dem Großeinsatz hat sich der Betrieb am Aachener Luisenhospital normalisiert. Es sei bereits wieder operiert worden, sagte eine Sprecherin des 350-Betten-Krankenhauses am Dienstag. Die Patientenversorgung sei gesichert und auch während des Einsatzes gesichert gewesen. Derzeit würden die Sachschäden erfasst, teilte das Krankenhaus auf seiner Internetseite mit.

Ob es Einschränkungen in der Physiotherapiepraxis gebe, in der die Frau Mitarbeiter bedroht hatte, wollte sie nicht sagen.

Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar, Telefon 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.

(ldi/dpa)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort