Aachen: Augenzeuge berichtet von Massenschlägerei bei Turnier mit Kindern

Schlägerei bei Ringer-Turnier in Aachen : "Ein Vater stürmte mit Eisenstange in die Halle und schrie herum"

Schubsende Mütter, ein Vater mit Eisenstange und ein zertrümmerter Tisch - ein Trainer hat die Vorfälle beobachtet, die sich am Sonntag bei einem Ringkampf in Aachen zugetragen haben. Er ist noch immer fassungslos.

Heinz-Josef Schmitz ist Jugendtrainer beim Ringer-Verein AC Mülheim und war am vergangenen Wochenende mit rund 20 Kindern bei dem Turnier in Aachen. Dort kam es nach einen Streit zwischen Kindern zu einer Massenschlägerei. "Das war wie im Film", sagt der 57-Jährige aus Köln. "Das war wirklich nicht schön."

Nach ersten Ermittlungen der Polizei trugen zwei Jungen gegen 13.25 Uhr einen Ringkampf aus. Beide sollen sich anschließend über das Ergebnis gestritten haben, als plötzlich eine der beiden Mütter den anderen Jungen schubste. Schmitz beobachtete die Situation. "Dann gingen plötzlich die beiden Mütter aufeinander los. Und dann mischten sich auch deren Männer ein", sagt Schmitz im Gespräch mit unserer Redaktion. Laut einer Polizeisprecherin reiste die Mutter, die den Jungen geschubst haben soll, mit einem niederländischen Ringer-Verein aus Utrecht an. Bei dem Turnier handelte es sich um die offene Bezirksmeisterschaft Rheinland, auch Vereine aus Belgien oder den Niederlanden dürfen daran teilnehmen. Die Kinder sollen höchstens neun Jahre alt gewesen sein.

Als sich die Lage kurze Zeit später wieder beruhigt hatte, seien die verbliebenen Kämpfe ausgetragen worden. "Und dann, als der letzte Kampf vorbei war, stürmte ein Vater mit einer Eisenstange in die Halle", sagt der Kölner Trainer. "Der schrie laut und schlug mit der Stange auf Tische und Stühle ein."

Schmitz habe dann nur geschaut, dass alle Kinder möglichst schnell aus der Halle in Sicherheit gebracht wurden. Die Polizei konnte den Vorfall mit der Eisenstange bislang nicht bestätigen. "Was wir wissen, ist, dass ein zertrümmerter Tisch gefunden wurde", sagt die Sprecherin.

Beim Ringerverband Nordrhein-Westfalen ist der Vorfall Thema im nächsten Hauptausschuss. Das teilte der Geschäftsführer der Verbandes, Carsten Schäfer, unserer Redaktion mit. "Aktuell gehen wir jedoch davon aus, dass es sich bei dem Streit um eine private Sache zwischen den Eltern gehandelt hat und nicht um eine Kampfrichterentscheidung", sagt Schäfer. Laut Polizei sollen sich die Kinder jedoch über den Ausgang des Kampfes gestritten haben.

In einer Versammlung in der kommenden Woche wolle man beim Ringerverband darüber sprechen, wie man mit dem Vorfall umgehen will. Einen generellen Ausschluss der betroffenen Kinder werde es wohl nicht geben. "Ein Hallenverbot für die entsprechenden Eltern ist aber eine Möglichkeit", sagt Schäfer.

Trainer Schmitz ist immer noch entsetzt und wütend über den Vorfall. "Das bringt doch den ganzen Sport in Verruf. Eigentlich geht es doch gerade beim Ringen um ein respektvolles Miteinander", sagt er. Zwar habe Schmitz einen derartigen Vorfall auch noch nicht erlebt, jedoch seien Eltern, die mit den Schiedsrichterentscheidungen nicht einverstanden sind, nichts Neues für den Jugendtrainer. "Viele Eltern meinen, selbst urteilen zu müssen. Da kommt dann ein Wort zum anderen", sagt Schmitz.

Er ist froh, dass den Kindern nichts passiert ist, und mahnt: "So etwas darf nicht mehr vorkommen."

(skr)