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A2 bei Kamen: Auto über Autobahn geschoben - das sagt die Polizei

Auto über A2 geschoben : "So eine sinnbefreite Aktion ist mir noch nicht untergekommen"

Weil das Auto seines Kumpels nicht mehr fährt, schiebt ein 18-jähriger Duisburger ihn mit 120 Stundenkilomtern über die Autobahn. Wie gefährlich die Aktion war und welche Strafe den Jugendlichen droht, erklärt ein Polizeisprecher im Interview.

Am Freitag betätigten sich zwei 18-jährige Duisburger auf der A2 bei Kamen als "Autoschieber". Weil ein zu überführender Skoda plötzlich nicht mehr funktionstüchtig war, entschieden sich die beiden kurzerhand, das defekte Fahrzeug mit dem mitfahrenden BMW über die Autobahn zu schieben. Der Fall sorgt auch einige Tage später immer noch für eine Mischung aus Entsetzen und Belustigung bei der Polizei Dortmund, wie Sprecher Kim Freigang im Gespräch mit unserer Redaktion verriet.

Herr Freigang, können Sie sich daran erinnern, schon jemals mit einem solchen Fall zu tun gehabt zu haben?

Freigang Bei der Polizei gibt es ja den Spruch "Kein Tag ist wie der andere". Als Polizist begegnet einem vieles, was man grob unter der Überschrift "Bildungsneutralität" zusammenfassen kann. Ich bin früher selbst viele Jahre dienstlich auf der Autobahn unterwegs gewesen, aber so eine völlig sinnbefreite Aktion ist mir auch noch nicht untergekommen. Das Ganze hat schon Potential zur Zirkusnummer, aber im negativen Sinn. Das ist vergleichbar mit Akrobaten, die im Käfig Motorrad fahren — mit dem Unterschied, dass das Profis sind, die wissen, was sie tun.

Wie haben Ihre Kollegen reagiert, als sie das "Gespann" entdeckten?

Freigang Alarmiert wurden wir ja, weil ein anderer Verkehrsteilnehmer die beiden beobachtet hatte und dachte, der Skoda würde den BMW mit der Anhängerkupplung abschleppen. Aber als die Kollegen die beiden Fahrzeuge dann entdeckten, haben sie sich natürlich die Augen gerieben und waren entsetzt. Sie haben gedacht 'Das kann doch jetzt nicht wahr sein‘. Man muss sich ja auch nur einmal vor Augen führen, welchen hochgradigen Gefahren sich die beiden ausgesetzt haben. Mit Tempo 120 Stoßstange an Stoßstange zu nageln, ist schon stark verhaltenskreativ. Man stelle sich nur einmal vor, einer von beiden hätte stark bremsen müssen. Zumal beim Skoda ja auch der Motor aus war und damit der Bremskraftverstärker gar nicht hätte reagieren können.

Auf einer Skala von 1 bis 10 der bescheuertsten Ideen — wo würden Sie die Aktion einordnen?

Freigang Das ist für mich eine 8 bis 9. Wie gesagt, kein Tag ist wie jeder andere, wir erleben Leichtsinn in allen Ausprägungen. Schon morgen kann der nächste Fall kommen, der diese irre Aktion noch einmal in den Schatten stellt. Obwohl ich mir das schwer vorstellen kann. Wenn man die rein nachrichtliche Meldung liest, kann man ja durchaus auch schmunzeln. Aber am Ende überwiegt dann doch das Entsetzen. Da denkt man sich, ob die beiden noch niemals etwas von schweren Unfällen gelesen haben.

Wie lange waren die beiden Jugendlichen schon unterwegs und wann sind sie auf die Idee gekommen, sich gegenseitig zu schieben?

Freigang Laut der Aussage des BMW-Fahrers, den meine Kollegen als erstes angehalten haben, sollte der Skoda überführt werden und funktionierte plötzlich nicht mehr. Die Beamten vor Ort haben in diesem Moment gedacht ,Das erzählt er uns jetzt nicht wirklich!‘. Man muss also davon ausgehen, dass das irgendwo auf der Strecke zwischen Duisburg und Kamen passiert ist — beide also schon mehrere Kilometer so unterwegs waren. Sie haben ja auch zwischenzeitlich die Fahrspuren gewechselt, wo sich auch noch die Frage stellt, wie sie sich dabei untereinander abgestimmt haben? Per Handy, per Textnachricht? Und man fragt sich ja auch, ob die beiden davon ausgegangen sind, dass ihre Aktion unentdeckt bleiben würde. Das Ganze muss man schon jenseits von Gedankenlosigkeit einordnen.

Welche Konsequenzen drohen den beiden nun?

Freigang Die Kollegen haben ja vor Ort schon eine Ordnungswidrigkeitsanzeige gestellt. Zudem muss man mit einem nicht mehr fahrbereiten Auto ja auch an der nächstmöglichen Ausfahrt die Autobahn verlassen, auch wenn es an jedem Rastplatz Abschleppseile zu kaufen gibt. Auf jeden Fall haben die beiden Fahranfänger ihren Führerschein momentan noch auf Probe. Das ist zwar eine Sache der zuständigen Führerscheinstelle, aber ich denke, bei beiden wird die charakterliche Eignung, am Straßenverkehr teilnehmen zu dürfen, jetzt intensiv überprüft.

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(p-m)