70 Jahre NRW: Wie die Briten das Land erfanden

70. Geburtstag des Landes: Wie die Briten Nordrhein-Westfalen erfanden

NRW ist ein Kind des Kalten Krieges, und seine Eltern saßen in London. Bei der Gründung des Landes vor 70 Jahren ging es den Briten 1946 vor allem um das Ruhrgebiet. Der ganze Rest spielte eher eine untergeordnete Rolle.

Nordrhein-Westfalen wird 70 Jahre alt. Wie es 1946 zur Gründung dieses völlig neu zugeschnittenen Landes kam, ist heute kaum noch bekannt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu.

NRW wurde von Großbritannien gegründet, genauer gesagt von der damaligen Labour-Regierung unter Premierminister Clement Attlee. Das NRW-Gebiet gehörte zur britischen Besatzungszone, die den Nordwesten Deutschlands umfasste.

Nein, vor 1946 gab es die beiden preußischen Provinzen Westfalen und Rheinprovinz. Die Rheinprovinz umfasste auch noch den nördlichen Teil des heutigen Rheinland-Pfalz. Dieser Teil lag nach dem Zweiten Weltkrieg aber nicht mehr in der britischen, sondern in der französischen Besatzungszone.

"Nordrhein-Westfalen ist ein Kind des Kalten Krieges", sagt der Historiker Christoph Nonn. "Die Briten waren die ersten unter den westlichen Besatzungsmächten, die die Sowjetunion als eine massive Gefahr gesehen haben." Sie befürchteten 1946 eine kommunistische Unterwanderung des Ruhrgebiets, der größten Industrieregion Europas und ehemaligen Waffenschmiede des Nazi-Reichs. Dies wollten sie verhindern. Es drehte sich also alles um das Ruhrgebiet.

Das lag an der Kohle. "Transport, Heizenergie, Stromerzeugung — alles, was die damalige Welt ausgemacht hat, ging nicht ohne Kohle", erläutert Nonn. Autos gab es ja noch kaum, der Transport lief über die Eisenbahn.

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Weil die Briten befürchteten, dass die Einwohner des Ruhrgebiets eine kommunistische Regierung wählen könnten. "Deswegen hat man gedacht: Man nimmt diese ländlichen Regionen wie Ostwestfalen, den Niederrhein und die Eifel dazu, die viel stärker konservativ-katholisch geprägt sind, und gleicht das dadurch aus", erläutert Nonn. Außerdem sollte das agrarische Hinterland den Ballungsraum mit Nahrung versorgen.

Ja, deshalb nannten sie das Projekt auch "Operation Marriage" (Unternehmen Hochzeit). Aber es spielte keine große Rolle für sie.

Das kam wohl nur deshalb, weil die britische Zivilverwaltung bereits in Düsseldorf saß. Das wiederum hatte damit zu tun, dass dort weniger öffentliche Bauten zerstört waren als zum Beispiel in Köln. "Als die einmal da waren, hat man gesagt: 'Ja warum eigentlich nicht? Liegt doch ziemlich zentral.'", erklärt Nonn. Außerdem war Düsseldorf seit jeher "der Schreibtisch des Ruhrgebiets".

Sie hatte genug damit zu tun, nicht zu verhungern. Viele Kinder hatten Blähbäuche. Nonn meint: "Die ganz große Mehrheit hat das in dem Moment ganz einfach nicht gekratzt."

Alle wichtigen Informationen zu den Feierlichkeiten zum NRW-Tag in Düsseldorf erhalten Sie hier.

(das/lnw)
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