Langzeitstudie für NRW: 56 Prozent mehr Raubüberfälle

Langzeitstudie für NRW: 56 Prozent mehr Raubüberfälle

Auf den Straßen in NRW ist es seit 1994 unsicherer geworden - das zeigt eine Langzeitstudie des Landeskriminalamts. Täter sind vor allem junge Männer. Die Opposition fordert eine härtere Politik.

Der Straßenraub auf öffentlichen Plätzen und Wegen hat in NRW in den vergangenen 20 Jahren drastisch zugenommen. Waren es 1994 landesweit noch 5071 solcher Delikte, stieg die Zahl bis Ende 2013 auf 7931 - ein Plus von 56 Prozent. Das geht aus einer Langzeitauswertung (1994 bis 2013) des Landeskriminalamtes (LKA) hervor, die unserer Zeitung exklusiv vorliegt. "Ein Grund für den Anstieg sind wohl die vielen Wertgegenstände wie Smartphones, die man heute anders als früher mit sich führt", sagte Rainer Peltz, der stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Bei den Tätern handelt es sich der LKA-Studie zufolge zum überwiegenden Teil um Jugendliche und junge erwachsene Männer zwischen 14 und 21 Jahren. Im vergangenen Jahr ermittelte die Polizei darüber hinaus 232 Tatverdächtige, die unter 14 Jahren und somit noch nicht strafmündig waren.

Der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Theo Kruse, reagierte schockiert auf den Anstieg der Straßenraubüberfälle. "Das zeigt, dass der Respekt vor der Unversehrtheit und dem Eigentum anderer Menschen stetig sinkt", sagte Kruse unserer Zeitung. Diesem Phänomen entgegenzutreten, sei eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, betonte er. Gefordert sei aber auch der Rechtsstaat, der bei den Tätern mit angemessener Härte durchgreifen müsse. "Kuschelpädagogik, wie von Rot-Grün in NRW zum Credo erklärt, fördert oft noch den Respektverlust der Täter vor dem Staat", betonte Kruse. Die Zahlen zeigten, wie wichtig es sei, dass die zur Verfügung stehenden Polizisten wieder vermehrt auf Streife gingen, "statt sie mit bürokratischem Aufgabenwust an die Amtsstuben zu binden", so Kruse.

Nicht immer enden die Überfälle glimpflich. Oft werden die Opfer geschlagen. "Darum nie den Helden spielen", rät ein LKA-Sprecher. "Alles ist ersetzbar, nur die Gesundheit nicht." Die Täter gehen bei den Überfällen deutlich brutaler vor als noch vor 20 Jahren. Ein Ermittler sagte: "Vielen reicht es nicht mehr aus, ihre Opfer auszurauben. Sie verletzen sie auch körperlich, schlagen und treten sie." So wurde etwa am Tag vor Heiligabend in Köln eine 65-Jährige von zwei Jugendlichen überfallen und schwer verletzt. Nach Angaben der Polizei fuhr einer der Angreifer ihr mit einem Fahrrad von hinten mit voller Wucht in den Rücken. Die Täter entkamen.

Die Langzeitstudie des LKA umfasst neben Straßenüberfällen auch Auswertungen anderer Raubdelikte. Ebenfalls zugenommen haben in dem Zeitraum Überfälle in Wohnungen. Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 829 Überfälle auf Personen, die in ihren eigenen vier Wänden zu Opfern wurden. 1994 waren es noch 642 gewesen - ein Anstieg um 29 Prozent.

Deutlich abgenommen haben hingegen Raubüberfälle auf Banken und Postfilialen - von damals 312 auf 51. Dasselbe gilt für diesen Zeitraum für Überfälle auf Geld- und Werttransporte (von 157 auf 38). "Diese Art der Kriminalität hat sich ins Internet verlagert", sagte Polizeigewerkschafter Peltz.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Einbrüche in NRW 2014 – Daten und Fakten

(RP)
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