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300 Betroffene von Missbrauch im Bistum Münster

Laut Studie : 300 Betroffene von Missbrauch im Bistum Münster

Eine unabhängige Untersuchung zu sexuellem Missbrauch im Bistum Münster zählt bislang rund 300 Betroffene und 200 Beschuldigte zwischen 1945 und 2018. Die Zahl könne sich mit weiteren Recherchen noch verändern.

Das erklärte der Historiker Thomas Großbölting, der die Studie der Universität Münster leitet, am Mittwoch während einer Online-Pressekonferenz. Großbölting sprach von einer hohen Dunkelziffer.

Er und weitere Wissenschaftler stellten Zwischenergebnisse ihrer Untersuchung vor. Demnach wurden bis dato die Fälle von insgesamt 82 Betroffenen und 49 Beschuldigten näher ausgewertet. 90 Prozent dieser Betroffenen seien männlich; das Durchschnittsalter beim ersten Übergriff liege bei elf Jahren.

Den Forschern zufolge hat sich ein Großteil der Betroffenen erst nach 2010 bei der Diözese gemeldet. Dennoch sei Missbrauch durch Priester bereits seit den 1950er-Jahren im Bistum bekannt gewesen. Vor allem gegenüber Mehrfachtätern habe es ein "intensives Leitungs- und Kontrollversagen" der Bistumsverantwortlichen gegeben.

Laut Großbölting hat das Forschungsteam innerhalb rund eines Jahres mehrere hundert Akten ausgewertet und etwa 70 Interviews geführt. Im Frühjahr 2022 sollen die endgültigen Ergebnisse vorliegen und auch Namen von Verantwortlichen genannt werden, die etwa Missbrauch vertuscht haben. Es gehe nicht nur um die rechtliche Aufarbeitung, so der Historiker. Das Team wolle auch Systeme und Einstellungen beleuchten, die Missbrauch begünstigt und zur Vertuschung beigetragen haben.

Das Bistum Münster hat die Untersuchung beauftragt und finanziert sie mit rund 1,3 Millionen Euro. Die Diözese hat laut Großbölting keine Eingriffsmöglichkeiten. Die Arbeit knüpft an eine 2018 vorgestellte Missbrauchsstudie der deutschen Bischöfe an. Sie hatte im Bistum Münster mindestens 450 Betroffene und 138 beschuldigte Kleriker in den Jahren 1946 bis 2014 verzeichnet.

Auch andere Bistümer lassen Missbrauchsfälle von externen Stellen untersuchen. So hatte die Münchner Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) Mitte November ihr Gutachten für die Diözese Aachen vorgestellt. Das Erzbistum Köln hatte die Veröffentlichung eines Berichts derselben Sozietät abgesagt und dies mit methodischen Mängeln begründet. Nun soll bis 18. März 2021 eine neue Untersuchung von einer anderen Kanzlei erarbeitet werden. Dann soll es auch eingeschränkten Einblick in das WSW-Gutachten geben.

(dtm/kna)