18-Jährige aus Solingen will Bulle vor dem Schlachter retten

18-Jährige will Bullen vor Schlachter retten : „Ich habe Billy versprochen, dass ich ihn hole“

Julie Siemering ist fest entschlossen, einen Bullen vor dem Schlachter zu retten. Ihr Opa verkaufte das Charolais-Rind „Billy“, als sie 15 Jahre alt war. Nun sammelt sie Geld, um dem ehemaligen Deckbullen noch ein schönes Leben zu ermöglichen.

Früher hatte Julie Siemering Angst vor Tieren. Vor den Rindern ihres Großvaters, aber auch vor Hunden. Heute zählt die 18-Jährige nicht nur einige Hunde zu ihrem engsten Freundeskreis, sondern auch den braunen Limousin-Bullen „Noname“, Rufname Noni, der mehr als 1000 Kilogramm wiegt. Auf Julies Instagram-Account sieht man sie mit dem mächtigen Rind auf der Wiese liegen, sie lacht, der Bulle hält entspannt die Augen geschlossen. Auf einem anderen Foto sitzt sie auf Nonis Rücken und lässt sich von ihm durch Solingen tragen, wo sie lebt.

„Noni war mein Flaschenkalb“, sagt sie. „Ich habe eine ganz besondere Verbindung zu ihm.“ Noni lebt zur Zeit mit Julies anderem ehemaligen Flaschenkalb Lina auf einer großen Wiese, die die junge Frau gepachtet hat. Die Rinder müssen nichts leisten. Sie dürfen Gras fressen, werden gekrault, und Julie geht mit ihnen im Wald spazieren. Julie möchte den beiden ein schönes Leben ermöglichen. Als ihr Opa seine kleine Fleischrinderzucht vor einigen Jahren aufgab, behielt Julie die Rinder. „Meine Eltern waren nicht begeistert“, sagt die 18-Jährige, die für ihre Tiere auch von Niedersachsen nach Solingen gezogen ist, weil sie sie dort auf die Wiese stellen konnte, die einer Freundin gehört.

Und nun möchte Julie einen Bullen namens Billy vor dem Schlachter retten. „Billy ist der Vater meiner Kuh Lina“, erzählt sie. Der reinrassige, helle Charolais-Bulle war 2016 für einige Monate als Deckbulle auf dem Hof der Familie in Niedersachsen. Die damals 15-jährige Julie wusste zu diesem Zeitpunkt schon um das sanfte Wesen der Tiere, ihre Angst hatte sie vor allem durch den Umgang mit den Kälbchen verloren. „Mein Opa meinte, Billy sei unberechenbar, ich sollte auf keinen Fall in seine Box gehen.“ Dabei, so sagt sie, sei der Bulle nur völlig verdreckt und ängstlich gewesen. Julie stieg heimlich zu ihm und striegelte und wusch ihn. „Er hatte so ein Vertrauen in mich, ich hab ihm dann auf der Weide sogar ein paar Tricks beigebracht“, sagt sie.

Doch Billy wurde weiterverkauft, ein Viehhändler holte den Bullen und brachte ihn auf einen Hof, auf dem er ein paar Jahre als Deckbulle eingesetzt wurde. Das Mädchen vergaß Billy aber nicht, sondern besuchte ihn regelmäßig. Doch nun soll das erst vier Jahre alte Rind geschlachtet werden. Der Bulle hat sich im Frühjahr verletzt. „Seitdem deckt er nicht mehr, und man hat nun keine Verwendung mehr für ihn“, sagt Julie. Sie will unbedingt verhindern, dass der eigentlich gesunde, junge Bulle getötet wird, und sammelt nun auf der Crowdfunding-Plattform „GoFundMe“ Spenden. 1400 Euro braucht sie für den Kauf. „Das krieg ich hin“, sagt sie, „egal wie.“ Teurer wird es, den Bullen nach Solingen zu bringen, ihn dauerhaft zu halten, zu füttern, einen Tierarzt zu bezahlen.

„Ich habe einen Pensionsstall gefunden, wo er unterkommen könnte für 100 Euro im Monat“, sagt Julie. Nun hofft sie, Tierfreunde zu finden, die Patenschaften – auch monatsweise – übernehmen. „Billy ist mein Freund“, sagt sie entschlossen. „Und ich habe ihm versprochen, dass ich ihn hole, wenn es mal Probleme geben sollte.“ Sie weiß, dass manche Menschen seltsam finden, wenn sie so redet, aber das ist ihr egal. „Rinder können 20 Jahre alt werden, man lässt sie nur nicht. Milchkühe werden oft schon im Alter von vier Jahren geschlachtet, weil sie einfach ausgelaugt sind.“ Julie will bald eine Ausbildung zur Erzieherin machen. Zur Zeit engagiert sie sich im Bundesfreiwilligendienst in einem Kindergarten und gibt abends Schülern Nachhilfe, um Geld für ihre Rinder zu verdienen. Sie ist fest entschlossen, den Bullen Billy spätestens im Frühjahr nach Solingen zu holen. So viel Zeit will der Bauer in Niedersachsen ihr geben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Julie und die Rinder

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