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Düsseldorf: Pannenserie bei Volkszählung

Düsseldorf : Pannenserie bei Volkszählung

Doppelt verschickte Fragebögen, nicht übermittelte Online-Formulare, Zwangsgeld-Drohungen trotz ordnungsgemäß eingereichter Daten: Bei der Volkszählung häufen sich die Pannen. Grund seien die großen Datenmengen, die transportiert werden müssten, sagen die Statistiker – und bitten um Geduld.

Doppelt verschickte Fragebögen, nicht übermittelte Online-Formulare, Zwangsgeld-Drohungen trotz ordnungsgemäß eingereichter Daten: Bei der Volkszählung häufen sich die Pannen. Grund seien die großen Datenmengen, die transportiert werden müssten, sagen die Statistiker — und bitten um Geduld.

Seit Tagen versucht Helmut Haupts, seine Beschwerde loszuwerden: Dem Wohnungseigentümer aus Mönchengladbach, der wie fast jeder dritte NRW-Bürger an der Volkszählung 2011 teilnehmen muss, droht ein Zwangsgeld — und das, obwohl er, wie er versichert, alle Unterlagen ordnungsgemäß zurückgeschickt hat. "Ich habe die Fragebögen im Mai bekommen, ausgefüllt und zur Post gebracht." Jetzt erhielt er erneut Zensus-Post und wundert sich. Haupts erhielt die gleichen Fragebögen, die er bereits ausgefüllt hat — dazu ein Schreiben mit dem Hinweis, dass er gesetzlich verpflichtet sei, die Angaben zu machen.

Seinem Unmut würde der Mönchengladbacher Rentner gern an der richtigen Stelle Luft machen. Doch das gestaltet sich schwierig: Mindestens 25 Mal habe er die Servicenummer von Zensus schon gewählt, aber nur eine Stimme vom Band gehört: "Aufgrund der vielen Nachfragen können wir Ihren Anruf leider nicht entgegennehmen." 4000 Anrufe von Bürgern aus ganz NRW erreichten das Statistische Landesamt täglich. Auch bei den Kommunen gehen regelmäßig Anfragen verunsicherter Zensus-Teilnehmer ein — einige Städte haben ihre Telefone bereits auf Anrufbeantworter umgestellt.

Die Anrufer beklagen nicht nur doppelt verschickte Fragebögen: Manche Hausbesitzer haben Formulare bekommen, die an andere Eigentümer adressiert sind. Teilnehmer, die im Internet bei der Haushaltsbefragung mitgemacht haben, erhalten Mahnbescheide, weil die Datenübertragung offenbar unterbrochen wurde, ohne dass sie es bemerkt haben.

Selbst die Erhebungsstellen, die bei den Kommunen angesiedelt sind und die Bögen zur Haushaltsbefragung erfassen, klagen: das Computer-System arbeite zu langsam oder stürze ab, berichtet Michael Peiffer von der Erhebungsstelle des Rhein-Kreises Neuss. Bis zu 30 Zensus-Geplagte rufen täglich bei ihm an. "Daten wurden nicht richtig eingespielt, die Übertragung klappt nicht, es gibt Probleme bei Umlauten, man kann keine Bestätigung ausdrucken, bevor die Daten übermittelt wurden."

Von einer Schwachstelle in der Zensus-Software, die in NRW und Sachsen programmiert wurde, wollen die verantwortlichen Statistiker dennoch nichts wissen. Sie sprechen von "Schwierigkeiten mit der Software-Ergonomie", wie ein Sprecher des Statistischen Bundesamtes sagt. Heißt: Große Datenmengen verzögern die Reaktionszeiten bei der Eingabe. So sei die "große Datenfülle" auch der Grund dafür, dass viele Hausbesitzer in NRW mehrfach angeschrieben wurden. Die vielen ausgefüllten Bögen konnten einfach nicht schnell genug eingelesen werden — wessen Angaben bis zum 25. Juli nicht in die zentrale Datenbank eingespeist waren, bekam automatisch ein Erinnerungsschreiben. Es könne auch sein, heißt es aus dem Amt weiter, dass die Ursprungsbögen in der Post verloren gegangen oder aber von den Empfängern als Werbesendung entsorgt worden seien.

Die Betroffenen, denen trotz eingereichter Unterlagen Mahnungen und Zwangsgeld-Drohungen zugeschickt wurden, sollten ihren Fall prüfen lassen: Während die Teilnehmer der Haushaltsbefragung dabei vorerst auf die überlasteten Hotlines des Statistischen Landesamtes und der Erhebungsstellen angewiesen sind, können Hausbesitzer ihr Anliegen jetzt auch im Internet hinterlegen: Unter https://www.gwz.it.nrw.de hat das Statistische Landesamt ein Kontaktformular eingestellt. Grundsätzlich gilt: Hausbesitzer, die mehrere Fragebögen bekommen haben, sollen nur einen ausfüllen, das auf diesem oder den anderen Formularen vermerken und alle Bögen zurückschicken. Wer die Bögen online ausgefüllt hat, sollte sich vergewissern, dass folgende Meldung erscheint: "Sie haben ihre Daten erfolgreich am xxx (Tag) um xxx (Uhrzeit) gesendet" — erst dann ist die Übertragung abgeschlossen.

Das Ergebnis des Zensus werde durch die Pannenserie nicht beeinträchtigt, hieß es gestern aus dem Statistischen Bundesamt. Bisher sind in NRW 80 bis 90 Prozent der Fragebögen ausgefüllt eingegangen. Datenverluste sind ausgeschlossen, sagen die Statistiker. Auch würden keine Datensätze zerstückelt — wenn sie übermittelt werden, dann nur vollständig. Auch am Zeitplan halten die Zensus-Organisatoren fest: Die ermittelte Bevölkerungszahl soll im Herbst 2012 vorliegen, die Strukturdaten im Frühjahr 2013.

(RP)