Düsseldorf: Orden verliert Millionen bei Finanz-Anleihe

Düsseldorf: Orden verliert Millionen bei Finanz-Anleihe

Die Düsseldorfer "Armen Brüder des hl. Franziskus" sprechen von "Fallstricken des Kapitalismus".

Die Insolvenz des Dresdner Finanzdienstleistungsinstituts Infinus beschert auch der Düsseldorfer Ordensgemeinschaft der armen Brüder des hl. Franziskus finanzielle Verluste. Der Orden, der Träger von zwei Altenheimen und von mehreren Projekten der Wohnungslosenhilfe in der Landeshauptstadt ist, hat seit dem Jahr 2006 Geld in Anleihen dieses Instituts gesteckt.

"Rückblickend ist es sehr bedauerlich, dass wir Geld bei diesem Institut angelegt haben", sagt Bruder Matthäus, Vorsitzender der Sozialwerke des Ordens. Es handele sich um einen höheren einstelligen Millionenbetrag, aber die Summe von knapp zehn Millionen Euro, die in Medien genannt wurde, werde nicht erreicht.

"Von dem finanziellen Schaden ist aber die laufende Arbeit der sozialen Projekte nicht betroffen", betonte Bruder Matthäus. Es sei nur Geld von Rücklagen für spätere Sanierungen der Altenheime angelegt worden. Diese Rücklagen würden aus den vorgesehenen Beträgen aus den Pflegesätzen für die Altenheime gebildet. Das sei der übliche Weg der Refinanzierung und Vorsorge. "Wir müssen dafür Sorge tragen, dass die Häuser nach ein paar Jahrzehnten runderneuert werden müssen", so Bruder Matthäus.

Der Ordensmann betont, dass zu keinem Zeitpunkt Spenden für die Finanzgeschäfte verwendet wurden: "Die Zuwendungen der Spender flossen und fließen sofort in laufende und neue Projekte der Wohnungslosenhilfe." Beispielsweise in Häuser mit Wohnungen, in denen Obdachlose wieder an ein geregeltes Leben in eigenen vier Wänden gewöhnt werden. Auch dafür würden große Summen benötigt, "und wir sind froh, dass unsere Arbeit großzügig unterstützt wird", so Matthäus.

Anderes gelte für die Rücklagen für spätere Modernisierungen der Heime, die über lange Zeit hin gebildet würden. Da sei es sinnvoll, Geld anzulegen, so der Ordensbruder. "Es ist ärgerlich, dass wir dabei an Betrüger geraten sind."

Das sei aber nicht abzusehen gewesen, weil Infinus einen guten Ruf besessen habe. Dafür spreche auch die große Zahl der Anleger. Vor allem Akademiker, Freiberufler und Unternehmer sowie institutionelle Investoren hatten Geld in die Infinus-Gruppe gesteckt, bislang seien 64 000 Verträge bekannt, berichtet die "Sächsische Zeitung" über die Vorgänge in Dresden.

Die Anleger von Infinus seien zumindest teilweise darüber getäuscht worden, was mit ihrem Geld geschehe. "Leider ist nicht auszuschließen, dass betrogen wird. Das sind die Fallstricke des Kapitalismus", sagte Bruder Matthäus. Er rechnet damit, dass nicht die gesamte Summe verloren ist, die etwa 50 Prozent der Rücklagen für die Heim-Modernisierungen umfasst. "Es läuft ein Insolvenzverfahren, und wir hoffen, dass ein Teil des Geldes zurückgezahlt werden kann."

(RP)
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