Nürburgring: Das Ende von "Rock am Ring" in der Eifel

Ende von "Rock am Ring": Neues Open-Air-Festival am Nürburgring?

Das Musikfestival wird am Pfingstwochenende nach fast 30 Jahren zum letzten Mal auf dem Gelände des Nürburgrings veranstaltet. Die Betreiber der Rennstrecke in der Eifel planen nun offenbar ein eigenes, neues Open-Air-Festival.

Die Geschichte von "Rock am Ring" auf dem Gelände des Nürburgrings geht in diesem Jahr zu Ende. Das gab der Gründervater und Veranstalter Marek Lieberberg gestern bekannt: "Es wird die letzte Veranstaltung dort sein." Als Grund nannte er eine Kündigung des Vertrags seitens des neuen Betreibers der Eifel-Rennstrecke, Autozulieferer Capricorn. Das Düsseldorfer Unternehmen habe einen größeren Anteil am Gewinn gefordert. Lieberberg bezeichnete sie als "völlig unrealistische, überhöhte" Forderungen: "Den neuen Herren des Rings geht es nur um die Gewinnmaximierung. Die Geschichte des Festivals und der Zusammenarbeit ist ihnen offenbar völlig egal." Nach seinen Angaben ist der Nürburgring bereits die teuerste Veranstaltungsstätte in Deutschland. "Schon jetzt müssen wir mindestens die Zahl von 70 000 Zuschauern erreichen, damit der Punkt der Rentabilität erreicht werden kann." In den vergangenen Jahren kamen rund 80 000 Besucher an den Ring.

Carsten Schumacher, Geschäftsführer des Nürburgrings, bestätigte gestern, dass sein Unternehmen mehr Geld vom Veranstalter gefordert hat: "Der Anteil am Gewinn war unzureichend." Der Vertrag mit Lieberbergs Konzertagentur MLK sei bereits im Januar gekündigt worden. Die Betreiber des Nürburgrings planen zudem, ein eigenes Festival mit neuem Namen auf der Rennstrecke zu veranstalten. "Es steht fest, dass es mit einem neuen Veranstalter ein Rockfestival am Nürburgring geben wird", sagt Schumacher. Man rechne damit, dass auch weiterhin internationale Stars in der Eifel auftreten werden. Näheres dazu soll in der kommenden Woche bekanntgegeben werden. "Ich kann mich eines gewissen Schmunzelns nicht enthalten, dass ein Autozulieferer glaubt, dass er ein Festival auf die Beine stellen kann", sagte Marek Lieberberg. "Das ist aus meiner Sicht das Ende des Nürburgrings als Musik-Veranstaltungsstätte, wenn die das jetzt in die Hand nehmen."

Völlig überraschend kommt die Nachricht über das Aus am Nürburgring jedoch nicht. Bereits vor zwei Jahren wurde - aufgrund der schweren wirtschaftlichen Lage der Rennstrecke - über einen Wegzug des Festivals spekuliert. Der Nürburgring musste im Jahr 2012 Insolvenz anmelden. Lieberberg soll damals bereits Ausweichspielstätten in Augenschein genommen haben. Doch dann wurde eine Vertragsverlängerung beschlossen.

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"Rock am Ring" soll aber auch im kommenden Jahr stattfinden - nur eben an anderer Spielstätte. Wo er sich die Zukunft von "Rock am Ring" vorstellen könne, gab Lieberberg gestern noch nicht bekannt. Es gebe jedoch sechs Optionen, die derzeit geprüft würden. "Gespräche mit Bands für 2015 wurden schon geführt, zwei maßgebliche Headliner haben wir bereits anvisiert", sagte Lieberberg, ohne Namen zu nennen. Bis Ende Juli soll eine Entscheidung über die künftige Wirkungsstätte fallen. Möglicherweise kann sich nun auch wieder das JHQ-Gelände in Mönchengladbach als Austragungsort Hoffnung machen. Lieberberg ließ den ehemaligen Militärstützpunkt schon vor Monaten auf seine "Festival-Tauglichkeit" prüfen. Ob er in die enge Auswahl kommt, wollte er jedoch nicht kommentieren.

In der Politik wurde die Nachricht mit Bedauern aufgenommen. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) sei "sehr erstaunt" über die Entscheidung gewesen, sagte er: "Normalerweise hat Lieberberg beim Land angerufen, wenn es Probleme gab", sagte Lewentz. "Wir halten ,Rock am Ring' für eine enorm werbewirksame Veranstaltung." Der Ortsbürgermeister von Nürburg, Reinhold Schüssler, sprach von einem "Schaden ohne Ende" und einem großen "Verlust auch für die Region". Auch die Jungen Liberalen Rheinland-Pfalz sprachen von einem "nicht wieder gutzumachenden Schaden".

Lieberberg nehme nun mit Wehmut Abschied, sagte er: "Es stimmt mich traurig. Allerdings bin ich keine Person, die nach hinten schaut. Wir blicken optimistisch in die Zukunft." Am kommenden Donnerstag beginnt die letzte Eifel-Ausgabe des Festivals. Mehr als 80 000 Besucher werden erwartet, um an vier Tagen die Konzerte von rund 100 Bands wie Metallica oder Iron Maiden zu sehen. Viele werden die idyllische Landschaft der Eifel sicherlich schmerzlich vermissen.

(RP)
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