Düsseldorf: NRW überwacht Hähnchenmast

Düsseldorf: NRW überwacht Hähnchenmast

Die rot-grüne Landesregierung von NRW will den massenhaften Einsatz von Antibiotika in der Hähnchenmast beenden. Eine Datenbank, die gestern in Essen freigeschaltet wurde, soll sichtbar machen, in welchen Mastbetrieben die Arzneimittel in auffällig großen Mengen verabreicht werden. "Wir brauchen eine Trendwende", sagte NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne). Dafür sei das neue Register der erste Baustein. "Antibiotika sollten nur zur Behandlung konkreter Krankheitsfälle eingesetzt werden", erklärte der Politiker.

In NRW gibt es rund 1300 Hähnchenmastbetriebe, in denen jährlich knapp 57 Millionen Tiere geschlachtet werden. Eine Studie des Landesamts für Natur, Umwelt, und Verbraucherschutz (Lanuv) hatte im vergangenen Jahr ergeben, dass 96,4 Prozent aller Tiere im Laufe ihres kurzen Lebens mit Antibiotika behandelt werden. In "Turbozuchtanlagen" werden die Hähnchen oft schon nach 35 Tagen geschlachtet. "Je widriger die Haltungsbedingungen sind, umso häufiger werden die Medikamente verabreicht", sagte Remmel.

Viele Hähnchen würden die Schlachtung ohne Antibiotika-Behandlung nicht erleben, ergänzte Lanuv-Chef Heinrich Bottermann. Zur Verschärfung des Problems trügen auch die Abrechnungsmodalitäten bei den Tierärzten bei. "Die Veterinäre verdienen durch die Verabreichung von Medikamenten dazu", sagte Bottermann. Rabattsysteme von Pharmaherstellern könnten dann Anreize schaffen, im Rahmen zulässiger Spielräume eher etwas mehr als weniger Antibiotika zu verordnen.

In dem neuen Datenerfassungssystem sollen Tierärzte und Landwirte angeben, wann und in welcher Menge Antibiotika eingesetzt wurden. Die Angaben sollen zunächst freiwillig erfolgen. NRW-Minister Remmel rechnet damit, dass bis zu 30 Prozent der Betriebe an dem Projekt teilnehmen. Züchter, die keine Transparenz herstellen, müssen mit häufigeren Kontrollen rechnen. Experten machen die Antibiotika für die Verbreitung auch für den Menschen gefährlicher resistenter Keime verantwortlich. NRW strebt nach dänischem Vorbild zunächst eine Halbierung der Antibiotikamenge in den nächsten Jahren an.

Harsche Kritik übte Remmel an Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU). Diese sperre sich dagegen, die rechtlichen Voraussetzungen für eine lückenlose Datenerfassung zu schaffen.

(RP)
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