Immer mehr Influenza-Patienten in Kliniken Karneval treibt die Krankenstände in NRW hoch

Düsseldorf · Die Praxen in NRW sind voller als zuvor: Von leichten Infekten über Norovirus-Fälle ist alles dabei, so Hausärzte. Immer mehr Influenza-Patienten müssen in die Klinik. Antibiotika-Säfte für Kinder sind laut Apothekerverband knapp.

Antje Höning
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 Fröhliches Gedränge macht es Viren leicht.

Fröhliches Gedränge macht es Viren leicht.

Foto: Anne Orthen (ort)

Gedränge auf den Straßen, volle Kneipen, viele Partys – die Karnevalstage haben die Infektionswellen noch einmal verstärkt. „Nach den Karnevalstagen sind die Wartezimmer wie erwartet voll. Von leichtem Infekt, Magen-Darm bis Influenza ist alles dabei“, sagt Oliver Funken, Chef des Hausärzteverbands Nordrhein. Der Straßenkarneval habe wesentlich dazu beigetragen.

Bereits vor den Karnevalstagen habe es bei den Akuten Atemwegserkrankungen (ARE) im Land eine steigende Tendenz gegeben, erklärte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein. Dieser Trend werde sich über Karneval fortgesetzt haben. Aktuell würden – in dieser Reihenfolge – hauptsächlich Influenza-, RSV-, Rhinoviren und Corona-Viren zirkulieren. „Die Zahlen liegen über dem Vorjahreswert sowie dem letzten vorpandemischen Jahr“, sagte der Sprecher unter Verweis auf Zahlen des Robert-Koch-Institutes (RKI).

Auch in Westfalen gibt es viele Infekte: „Die Zahl der Noro-Virus-Infekte steigt, auch die Influenza A findet sich häufiger“, so der Sprecher der KV Westfalen. Für eine Einschätzung sei es aber noch früh, da die Inkubationszeit zwei bis fünf Tage betrage. Das Norovirus löst starken Brechdurchfall aus. Im Januar gab es bundesweit mehr als doppelt so viele Norovirus-Fälle wie im Vorjahr, so das RKI.

Die Düsseldorfer Altstadt feiert Karneval 2024​
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Foto: Julia Nemesheimer

Bei Corona-Infektionen gibt es immerhin eine Entspannung: Die Intensivbelastung der Kliniken mit Corona-Patienten ist im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zurückgegangen. Aktuell sind in NRW rund 50 Covid-Fälle auf den Intensivstationen, der Höchstwert in diesem Winter lag bei 260 Fällen im Dezember 2023, so die KV Nordrhein. Die meisten Corona-Infektionen entfallen derzeit auf die Omikron-Variante JN.1, auch Juno genannt.

Die Zahl der stationär behandelten Patienten wegen Influenza steigt dagegen seit Wochen an, „sie wird nach Karneval weiter steigen“, erwartet Ingo Morell, Präsident der Krankenhausgesellschaft NRW. Zugleich machen den Kliniken die krankheitsbedingten Personalausfälle zu schaffen. „Der Krankenstand bei Mitarbeitern ist bereits hoch. Unsere Ärzte erwarten, dass die Karnevalszeit auch in diesem Jahr zu einem Schub bei saisonalen Atemwegsinfekten wie Influenza führt, was weitere Personalausfälle zur Folge hat“, so Morell.

Das lehrt auch die Erfahrung: So ist nach einer Analyse der Techniker Krankenkasse für die Jahre 2015 bis 2018 die Zahl der Krankschreibungen nach Rosenmontag deutlich gestiegen: in Köln gab es 2018 sogar 48 Prozent mehr Krankenschreibungen als in den Vorwochen. In Düsseldorf gab es bis zu 26 Prozent mehr Ausfälle.

Entsprechend voll sind auch die Apotheken: „Stark steigend sind jetzt nach Karneval Erkrankungen mit typischen Erkältungssymptomen: Husten, Schupfen und Halsschmerzen“, sagt Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein. Erst ein Selbsttest oder Labortest beim Arzt könne aufklären, ob Corona, Influenza oder eine RSV-Infektion vorliege. „Besonders gefährdet sind bei Corona und Grippe die Alten und chronisch Kranken. RSV ist besonders gefährlich für Babys und Kleinkinder.“

Die Medikamenten-Lage ist durchwachsen: „Alle notwendigen Medikamente, Husten-, Schnupfen- und Schmerz- und Fiebermedikamente, sind in den Apotheken im Gegensatz zu den Vorjahren gut erhältlich“, sagte Preis. Knapper sei die Lage nach wie vor bei verschreibungspflichtigen Antibiotika-Säften für Kinder. Erst am Montag seien sechs weitere Medikamente als vom Hersteller nicht-lieferbar dazugekommen, davon allein fünf Antibiotika-Säfte für Kinder, so Preis. Bei Antibiotika würden derzeit jede Woche unterschiedliche Arzneimittel und Dosierungen fehlen, berichtet auch die KV Westfalen.

Am Mittwoch sorgte das E-Rezept in Praxen und Apotheken für zusätzliche Probleme: Wegen einer bundesweiten Störung konnten auch im Rheinland von zehn bis elf Uhr Rezepte weder von Arztpraxen ausgestellt noch in Apotheken eingelöst werden, so die KV Nordrhein. Grund dafür war laut dem Telematik-Anbieter Gematik die Störung eines zentralen Dienstes. Auch Westfalen war betroffen. Die Arztpraxen sollten daher kurzfristig wieder auf die rosa Papierrezepte umzustellen. „Viele Patienten berichteten, dass viele Arztpraxen nicht so schnell umstellen konnten“, sagte Apotheker Preis weiter. Inzwischen können die E-Rezepte flächendeckend wieder normal ausgestellt werden.

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