NRW: Landtag will Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium

Ende des "Turbo-Abiturs": Landtag will Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium besiegeln

Es war ein Versuch, den Schulabschluss zu beschleunigen - und er gilt als weitgehend fehlgeschlagen. Der Landtag will am Mittwoch das Gesetz zur Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium beschließen.

Der Landtag will am Mittwoch (11.30) die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium in Nordrhein-Westfalen besiegeln. Damit wird in den meisten Gymnasien des Landes das „Turbo-Abitur“ nach acht Jahren in den nächsten Jahren abgewickelt. Wer derzeit ein Gymnasium besucht, muss aber noch G8-Abitur machen.

Die Umstellung zu G9 startet laut Gesetz der CDU/FDP-Landesregierung im Schuljahr 2019/20 für alle Fünft- und Sechstklässler. Der erste reguläre G9-Jahrgang macht dann 2027 Abitur. Schüler, die jetzt ein Gymnasium besuchen, machen noch das Abitur nach acht Jahren.

Gymnasien können allerdings auch bei G8 bleiben, wenn die jeweilige Schulkonferenz das beschließt. Das NRW-Schulministerium rechnet aber damit, dass mehr als 90 Prozent der Gymnasien zu G9 zurückkehren werden. Die SPD-Opposition fordert dagegen eine ausnahmslose Rückkehr aller Gymnasien zu G9, wobei in individuellen Schullaufbahnen das G8-Abitur möglich bleiben soll.

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In NRW hatten die ersten Schülerinnen und Schüler im Schuljahr 2005/2006 das achtjährige Gymnasium begonnen. Einige Bundesländer wie Niedersachsen sind inzwischen wieder zum G9 zurückgekehrt, und sogar Bayern hat die Kehrtwende beschlossen.

An den G9-Gymnasien in NRW nehmen die Schüler künftig am Ende der zehnten Klasse an zentralen Prüfungen teil und können damit die Mittlere Reife erwerben. An G8-Gymnasien erwerben Schüler die Mittlere Reife wie bisher am Ende der zehnten Klasse durch Versetzung in die elfte Klasse. Die zweite Fremdsprache wird wieder in Klasse 7 statt schon in Klasse 6 eingeführt.

Allein die Bau- und Ausstattungskosten bei der Umstellung auf das neunjährige Gymnasium werden bis 2026 auf 518 Millionen Euro geschätzt. Mit dem Start von G9 soll deshalb ein Gesetz zum Belastungsausgleich in Kraft treten, das die Kommunen entlastet. Hinzu kommen etwa 115 Millionen Euro an jährlichen Kosten für rund 2300 zusätzliche Lehrer. Diese muss das Land tragen. In NRW gibt es insgesamt rund 500 öffentliche Gymnasien mit etwa 433 000 Schülern.

(dpa)
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