Neuss: Neusser Salafisten unter Verdacht

Neuss: Neusser Salafisten unter Verdacht

Waren Islamisten aus NRW an Entführung von Deutschen in Syrien beteiligt?

Die islamische Organisation "Helfen in Not" mit Sitz in Neuss muss möglicherweise mit einem Vereinsverbot rechnen. Ein Sprecher von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte gestern, der Verein sei im Visier des Verfassungsschutzes. Es lägen Anhaltspunkte dafür vor, dass es sich bei dem Verein um eine "extremistische salafistische Bestrebung" handele. Das Bundeskriminalamt ermittelt derzeit, ob ein Unterstützer des Vereins in die Entführung von drei deutschen Entwicklungshelfern in Syrien verwickelt sind. Der Gründer der Hilfsorganisation "Grünhelme", Rupert Neudeck, erhebt Vorwürfe gegen die Islamisten: "Ein Vereinsverbot ist das Mindeste, was wir verlangen. Solchen Gruppierungen, die nicht auf dem Boden unserer Verfassung stehen, muss die Gemeinnützigkeit entzogen werden", verlangte Neudeck, der auch die Organisation "Cap Anamur" gegründet hatte.

Im Mai waren in Syrien drei Mitarbeiter der "Grünhelme" in Syrien verschleppt worden. Einer der Helfer, der sich selbst befreien konnte, berichtet, er sei während der Geiselhaft auf Deutsch vernommen worden. In einem Internetvideo sollen die Islamisten von "Helfen in Not" die Aktivisten westlicher Hilfsorganisationen als Ungläubige tituliert haben, die die Muslime "auf Demokratie impfen" wollten.

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In Nordrhein-Westfalen war 2012 das islamistische Netzwerk "Millatu Ibrahim" aus Solingen von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) als staatsfeindlich verboten worden. Bei "Helfen in Not" würden die extremistischen Bestrebungen schon durch den Auftritt salafistischer Prediger deutlich, sagte ein Sprecher des NRW-Innenministeriums.

Die Islamisten wiesen den Vorwurf, in die Entführung verstrickt zu sein, entschieden zurück. Hinter "Helfen in Not" steht der Kulturverein Weckhoven, eine Neusser Moscheegemeinde. Die Gemeinschaft wurde vor Jahren zu den Sympathisanten des islamistischen Metin Kaplan ("Kalif von Köln") gezählt. Zuletzt finanzierte der Verein den Transport von ausrangierten Rettungswagen nach Syrien. In einem Video präsentierte der Islamist Sven Lau (alias Abu Adam) aus Mönchengladbach die Fahrzeuge.

(RP)
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