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Motörhead spielen Rock'n'Roll

Motörhead spielen Rock'n'Roll

Er sagt es einfach nicht. Eine halbe Stunde spielen sie jetzt schon und noch immer hat er es nicht gesagt. Diesen einen Satz, der längst zum geflügelten Wort geworden ist, den er einfach immer bringt: "We are Motörhead and we play Rock'n' Roll." Stattdessen schlurft Frontmann Lemmy auf die Bühne und nuschelt ein "Wie geht's euch, Düsseldorf?" Vielleicht wollten sie mal was anders machen.

Motörhead in der Mitsubishi Electric Halle – das ist kein Rockkonzert, sondern die Weihnachtsfeier vom Motorradclub. Im vollen Saal stehen ergraute Herren mit Lederjacke und verwaschenem Band-T-Shirt, am Mikrofon steht Ian Fraser Kilmister, genannt Lemmy, und sagt, wo es langgeht. Wie jedes Jahr, wenn er vor Weihnachten nach Deutschland kommt. Lemmy, diese Rockstar-Ikone, der über die Hälfte seines Lebens mit Motörhead verbracht hat, der sein Personal munter durchwürfelte, aber immer Motörhead blieb. Seit 35 Jahren gibt es diese Band nun, seit 65 Jahren diesen Lemmy. Jetzt stehen sie auf der Bühne und spielen "I Know How To Die". Der Song ist neu, vom 21. Studioalbum, und er ist wie die anderen: kurz, handgemacht, vor allem laut. Lemmy krächzt, das klingt matschig – ist allen egal. Liegt auch nicht am Sound, sondern an seiner Stimme. Und die muss so sein, so war sie schließlich immer. Wer gekommen ist, will, dass Lemmy zwischendurch sein Whiskey-Glas hebt – auch wenn da vielleicht Apfelsaft drin ist. Anderthalb Stunden spielen Motörhead für gewöhnlich, daran ändert sich heute nichts. "Vergesst uns nicht", bittet Lemmy kurz bevor sie gehen, "we are Motörhead and we play Rock'n'Roll."

(RP)