Düsseldorf: Millionenteurer Tierschutz

Düsseldorf: Millionenteurer Tierschutz

Der frühere NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück hatte stets die Lacher auf seiner Seite, wenn er sich über die A 33 lustig machte. Die Autobahn heiße so, weil man infolge überzogener Umweltbestimmungen nun schon seit 33 Jahren auf nötige Lückenschlüsse warte, ätzte der SPD-Politiker zur Gaudi seiner Zuhörer.

Inzwischen ist das Ausbauvorhaben zwar einen Schritt weiter, doch schon wieder droht der A 33 Ungemach. Schuld ist die Blechsteinfledermaus, die im Neubauabschnitt Halle-Borgholzhausen gesichtet worden ist. Gleich 31 Weibchen der besonders streng geschützten Art sollen sich in der Nähe der Trasse angesiedelt haben. Nach Angaben des NRW-Verkehrsministeriums wurden zudem noch weitere 14 Arten von Fledermäusen festgestellt.

Zum Schutz der Nachtschwärmer seien "umfangreiche Maßnahmen entwickelt" worden, heißt es auf eine Kleine Anfrage des Düsseldorfer CDU-Abgeordneten Olaf Lehne. Es handele sich um Schutzwälle und Wände entlang der Autobahntrasse, um sogenannte "Tierquerungshilfen" und um die ökologische Aufwertung von landwirtschaftlichen Nutzflächen. Alles in allem seien für den Tierschutz bislang mehr als 26 Millionen Euro ausgegeben worden. Das entspricht etwa 20 Prozent der gesamten Ausbaukosten von 129,7 Millionen Euro. Und noch immer prüfen Experten, ob die Kolonie der Blechsteinfledermaus beeinträchtigt sein könnte. Die Kosten, die durch die Bauverzögerung entstehen, seien noch nicht bezifferbar, heißt es.

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Lehne hält den aufwendigen Fledermausschutz nicht für angemessen. Er erinnert an die mittlerweile legendären Feldhamster zu Zeiten der früheren Grünen-Umweltministerin Bärbel Höhn. Drei (unbewohnte) Höhlen der EU-weit geschützten Nager drohten damals den Bau eines neuen Kraftwerks in Grevenbroich zu blockieren.

(RP)
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