Mendelssohn ist zurück

Mendelssohn ist zurück

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung enthüllte Oberbürgermeister Dirk Elbers das von einem Förderverein gestiftete Denkmal für den Komponisten am Opernhaus. Ein früheres Denkmal hatten die Nazis zerstört.

Manchmal ist der gemeine Düsseldorfer ein wirklich gemeiner Düsseldorf. Kaum hatte Oberbürgermeister Dirk Elbers gestern Morgen die Reißleine für das neue Mendelssohn-Denkmal am Opernhaus gezogen, hätte ein Zaungast gern ebenfalls die Reißleine gezogen. In den Applaus hinein rief er: "Viel zu groß! Einschmelzen!"

Es ist das Wesen des gemeinen, also normalen Düsseldorfers, dass er mit Gemeinheiten glänzend umgeht: Er ignoriert sie nicht einmal. Einige lachten. Der Rufer selbst lachte auch. Vielleicht ist Humor keine schlechte Begleitmusik für eine Angelegenheit, die Düsseldorf so lange schlaflose Nächte bereitet oder aber gar nicht auf den Nägeln gebrannt hatte. Es war nämlich so, dass es früher fast vierzig Jahre lang ein Mendelssohn-Denkmal am Opernhaus gab, bis die Nazis fanden, jüdische Künstler sollten sich nicht zu solcher Größe aufschwingen, am besten zu gar keiner, und die Bronzearbeit von Clemens Buscher einschmelzen ließen.

Seitdem war Mendelssohn, der hier von 1833 bis 1835 Musikdirektor war, aus der Stadt verschwunden. Später widmete sie sich vor allem dem Komponisten Robert Schumann, dessen Zeit in Düsseldorf zwar länger, allerdings weniger glücklich war. Deshalb versucht Düsseldorf seitdem, diese Scharte durch ein Übermaß an Schumann-Feierlichkeiten auszugleichen.

Trotzdem blieb die Wunde Mendelssohn. Bis einige Bürger mit Einfluss, Benimm und geistigem Horizont die Zeit für reif hielten, das verlorene Mendelssohn-Denkmal nach Buschers Modell neu entwerfen und errichten zu lassen. Damit folgten sie ihren Vorgängern, denn auch das Original war im Jahr 1901 von Bürgerinnen und Bürgern gestiftet worden. Gestern wurde das neue Denkmal unter großer Teilnahme der Bevölkerung enthüllt, darunter Mitglieder der Jüdischen Gemeinde. Oberbürgermeister Elbers sagte: "Wir können unseren Beitrag dazu leisten, dass die Erinnerungskultur nicht erlischt." Und zu Recht dankte er dem Förderverein, der sich seit dem Jahr 2009 mit großer Hingabe für das Projekt eingesetzt und 150 000 Euro gesammelt hatte. Zahllose Bürger hatten gespendet – manche viel, viele wenig. Jeder, wie er konnte.

Und während wir Musik von Mendelssohn hörten, gespielt von Bläsern der Robert-Schumann-Hochschule, kam ein Auto mit Düsseldorfern vorbei, die aus dem Fenster laut "Fortuna" riefen. Keine schlechte Kombination: Felix und Fortuna. Das sind zwei, auf die Düsseldorf stolz sein kann – auch jener gemeine Düsseldorfer.

(RP)