Masuch übernimmt Tanzhaus NRW

Masuch übernimmt Tanzhaus NRW

Die Nachfolge für Institut-Leiter Bertram Müller ist geklärt: Die 48-jährige Bettina Masuch tritt ab 2014 ihren Dienst an. Die Solingerin soll die Kontinuität am Kulturinstitut fortführen – und darf sich künftig als erste Leiterin des Tanzhauses überhaupt Intendantin nennen.

Das Anforderungsprofil für den Posten war originell, vielfältig und widersprüchlich. Gesucht wurde "ein künstlerisch versierter Unternehmer, ein internationaler Netzwerker mit lokalpolitischem Gespür, ein Avantgardist mit Liebe für viel Publikum, ein experimentierfreudiger Visionär, der etwas von Finanzen versteht, ein Projektentwickler mit Hausmeisterfähigkeiten, ein bodenständiger Exot" – mit noch vielen weiteren Talenten. "Also eigentlich ein Monster", sagt Dieter Buroch, der die Findungskommission geleitet hat und Intendant am Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt/Main war, über die Frau, die ab 2014 die Nachfolge des 66-jährigen Bertram Müller antreten und damit die Leitung des Tanzhauses NRW übernehmen wird: Bettina Masuch.

Der Katalog der Erwartungen, denen sich die 48-Jährige stellt, ist so umfangreich, schillernd und vorbildlich wie überhaupt das ganze Programm des Kulturinstituts seit jeher. Und so wird mit der künftigen Aufgabenstellung für Masuch zugleich schon jetzt eine große Abschiedslaudatio für ihren Vorgänger Müller formuliert. Nach dem Wechsel in der Spitzenposition (wobei die Initialen B. M. ja bleiben) wird von der designierten Chefin Masuch schon ein bisschen was Neues in der künstlerischen Strategie erwartet, mehr aber noch die Fortführung der Kontinuität.

Das Erfolgsrezept des Tanzhauses ist eine Mischung, die Theater sonst nirgendwo schaffen: einerseits Bühnenprogramm mit internationalen Gastspielen von befremdend und betörend wirkenden Tanzensembles im großen oder kleinen Saal, andererseits unter demselben Dach in verschiedenen Studios das Hopsen für Kinder und das balzende Salsatanzen für erwachsene Anfänger und Fortgeschrittene. Das Tanzhaus ist Podium, Disko, Restaurant, Schule, Kunstasyl, kulturpolitischer Modellfall und soziales Projekt. Wer könnte all dies noch verbessern? Bettina Masuch, nach ihrem Konzept gefragt, spricht von "Feinjustierungen" und "behutsamen Akzentverschiebungen" in der Auswahl von Partnerländern bei der internationalen Kooperation und bei der Einladung an Gastensembles.

Das Monster ist vorsichtig und charmant. "Bettina Masuch hat aber auch Strenge und Durchsetzungsvermögen", verspricht Buroch. Die Zuschussgeber von Stadt und Land, Kulturdezernent Hans-Georg Lohe und Staatssekretär Prof. Klaus Schäfer, sind glücklich über die Wahl. Ebenso der Arbeitgeber, nämlich der Trägerverein des Tanzhauses mit Peter Knobloch an der Spitze.

Eine gründliche Änderung aber gibt es doch. Zwar wird Masuch das Erbe von Müller künstlerisch und geschäftlich mit denselben Vollmachten antreten, doch was für jenen seit 1978 mit der Institutsgründung (anfangs unter dem Namen "Die Werkstatt") zu einem Lebenswerk wurde, das wird der Neuen zunächst nur mit einem branchenüblichen Fünf-Jahres-Vertrag anvertraut. Zum Trost darf sie sich dann Intendantin nennen. Dieser Titel ist neu in der Geschichte des Instituts.

Masuch stammt aus Solingen und hat als Jugendliche über das Tanztheater von Pina Bausch in Wuppertal gestaunt: "Einschneidende Seherlebnisse, meine erste Theatererziehung", sagt sie. Mit dieser frühen Begeisterung zog sie ihre eigene Spur durch Stadttheater und freie Szene zwischen Berlin, Brüssel, Amsterdam und Zürich bis Utrecht als Dramaturgin und Dozentin. In Utrecht leitet sie seit 2009 das Springdance Festival und wird von dort im Sommer 2013 nach Düsseldorf ziehen, um sich von Müller ins hiesige Gefilde einweihen zu lassen.

Wobei sie das Terrain natürlich gut kennt. "NRW ist wirklich ein Tanzland", sagt sie. Einen zweiten Pol der Szene gibt es mit PACT bei der Zeche Zollverein in Essen. "Die sind zunächst international orientiert und fördern erst danach die regionale Kreativität", sagt Masuch, die bereits weiß: "In Düsseldorf ist es genau umgekehrt."

(RP)