Düsseldorf: Marode Brücken belasten Unternehmen

Düsseldorf : Marode Brücken belasten Unternehmen

Mit 17,8 Millionen Menschen dicht besiedelt und eine Drehscheibe von europäischer Bedeutung: Nordrhein-Westfalen ist ein verkehrsreiches Land. Doch vielerorts auf Straßen und Schienen droht Stillstand. Eine Initiative sucht Lösungen.

NRW ist das bevölkerungsreichste Land und liegt geografisch günstig in Europa. Dieser Standortvorteil ist aber auch ein Nachteil, schließlich sorgt er für enorme Verkehrsflüsse: Nirgends in der Republik staut sich der Verkehr auf so vielen Kilometern wie zwischen Köln und Münster, Oberhausen und Dortmund. Alleine im vergangenen Jahr gab es rund 220 000 Staukilometer. Pendler stehen morgens und nachmittags im Stau oder in vollen Zügen. Und an vielen Stellen wurden Investitionen versäumt, etwa bei Brücken – mit weitreichenden finanziellen Folgen. Ein Beispiel: Als die Rheinquerung auf der A1 bei Leverkusen Ende 2012 wegen Rissen gesperrt werden musste, kostetet das die Unternehmen, deren Lkw Umwege fuhren, pro Tag rund 1700 Euro, wie eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer ergeben hat. Mehr als jedes zweite Unternehmen sieht sich regelmäßig in seinen Geschäften beeinträchtigt, so eine Umfrage des Instituts der Deutschen Wirtschaft.

Straßen und Schienen im Land sind ausgelastet, vielerorts droht Stillstand – Zeit also, etwas zu verändern. Denn lange wirkte es so, als seien nur Investitionen in Daten-Autobahnen wichtig. Doch wie der wachsende Sektor der Logistik-Unternehmen zeigt, werden auch Güter, die über E-Commerce gehandelt werden, auf Straßen und Schienen transportiert. Nach einer Prognose des Bundesverkehrsministeriums ist mit einem Anstieg des Straßengüterfernverkehrs von 1,5 Milliarden Tonnen (2004) auf 2,2 Milliarden Tonnen (2025) zu rechnen. Wie eine Kommission festgestellt hat, fehlen jedes Jahr bis 2027 etwa rund 7,2 Milliarden Euro, um die Infrastruktur bundesweit in Ordnung zu bringen. Immerhin: Die Große Koalition in Berlin will in den nächsten vier Jahren mindestens fünf Milliarden Euro in die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur investieren.

Die Initiative "Damit Deutschland vorne bleibt", die der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen ins Leben gerufen hat und der sich auch Städte, Gemeinden, Versicherungen, Gewerkschaften und Industrieunternehmen angeschlossen haben, setzt sich ein für eine zukunftsfähige Infrastruktur und bringt bei einer NRW-Länderkonferenz Experten, Politiker und Bürger zusammen, die darüber sprechen, was getan werden muss. Die Veranstaltung in Düsseldorf (Donnerstag, 10. April), die Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) eröffnet, wird von RP-Chefredakteur Michael Bröcker moderiert. Im Vorfeld der Konferenz sind allerdings auch die Ideen von Bürgern gefragt (siehe Box). Denn sie sind am meisten im Land unterwegs, kennen die Schwachpunkte und wissen, wo es hakt.

Mögliche "Baustellen" hat die Initiative schon ausgemacht, etwa den Ausbau des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs, aber auch die Stärkung des Schienen-Netzes – sei es für Güter wie die Betuwe-Linie oder für Personen wie der Rhein-Ruhr-Express. Wichtig für die enorm wachsende Logistikbranche ist auch eine Förderung des weltgrößten Binnenhafens in Duisburg.

In einer Serie widmen wir uns ab heute wichtigen Verkehrsthemen wie dem Zustand der Straßen und Autobahnen und dem Sanierungsbedarf der Brückenbauwerke im Land. Wir fragen, wie das Angebot auf der Schiene für Passagiere und Gütertransport verbessert werden kann und welche Kapazitäten die wichtigste Verkehrsader im Land – der Rhein – noch bietet. Der Ausbau der zentralen und regionalen Achsen bedeutet aber auch mehr Verkehr und damit eine steigende Belastung für Anwohner. Deshalb widmen wir uns in einer Folge auch den neuen Methoden, wie sich Lärm aktiv und passiv verringern lässt und wie dank moderner Technik Schadstoff-Emissionen gesenkt werden können.

(RP)
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