Krefeld: Mann bedroht Passantin mit Messer

Krefeld : Mann bedroht Passantin mit Messer

In Krefeld hat ein Mann am Samstag Passanten mit einem Messer bedroht und dann eine 68-jährige Frau in seine Gewalt gebracht. Die Polizei war im Großeinsatz. Spezialkräfte des SEK nahmen den Mann am Nachmittag fest.

Um 15.42 Uhr ist es nach fast vier Stunden endlich vorbei: Eine Spezialeinheit der Polizei überwältigt am Samstag an einer Straßenbahnhaltestelle am Krefelder Hauptbahnhof den Mann, der eine 68 Jahre alte Frau ab dem Mittag in seiner Gewalt hatte. Rettungskräfte und ein Notarzt kümmern sich um die Frau, sie ist im Gesicht leicht verletzt. Blut ist auf ihre Jacke getropft. Ein Seelsorger nimmt sich der Frau an, nachdem zwei Polizisten sie von dem Wartehäuschen wegführen, in dem der Täter sie festgehalten hatte. Auch der Täter wurde verletzt, als die Beamten ihn überwältigten. Als beim Zugriff zwei Schüsse fielen, blieben viele Passanten wie erstarrt stehen. "Bitte weitergehen", sagten die Polizisten. Der Täter wurde angeschossen und später im Krankenhaus am Bein operiert.

Begonnen hatte alles am Samstagmorgen. Die Polizei wollte den 46-jährigen Krefelder, der wegen Drogendelikten bekannt sein soll, in seiner Wohnung "gezielt überprüfen", wie eine Polizeisprecherin sagte. Zu den Gründen wollte sie zunächst nichts sagen. Der Mann war nicht zu Hause, die Beamten erfuhren aber, dass er am Hauptbahnhof ist und trafen ihn dort gegen Mittag an - an der Straßenbahnhaltestelle "Am Hauptbahnhof". "Die Kollegen wollten ihn mit zur Wache nehmen, da zog er sofort ein Messer", sagt die Sprecherin. Es kam zu einer chaotischen Situation, weil die anderen Passanten, die an der Haltestelle warteten, flüchteten. Der Mann schaffte es aber, die Seniorin in seine Gewalt zu bringen. Die Beamten, die den Mann überprüfen wollten, hatten noch ihre Waffen gezogen, verließen dann aber zum Schutz der vielen Passanten den Bereich, erklärte die Polizei.

Eine Frau, die als Pflegerin im Seniorenheim "Hansa Haus" direkt neben dem Tatort arbeitet, konnte alles von einem Patientenzimmer aus beobachten. "Der Täter hat sie gepackt, ihr den Arm um den Hals gelegt und ihr das Messer von unten an den Hals gehalten", sagt die 41-Jährige. Täter und Opfer saßen dann nebeneinander im Wartehäuschen - während er die meiste Zeit das Messer mit einer etwa zehn Zentimeter langen Klinge auf sie gerichtet hielt. "Immer wenn er sich eine Zigarette anzündete oder aus einer Bierdose trank, ließ er die Frau kurz los." Die Seniorin habe sehr apathisch gewirkt, sei ganz still gewesen, während der Täter hektisch auf sie eingeredet habe. Den 90 Heimbewohnern hatte man gesagt, es gebe eine Großrazzia, um sie nicht zu beunruhigen.

Die ganze Zeit über waren Polizisten in der Nähe des Täters, sprachen mit ihm. Dass sich in einer Parallelstraße die SEK-Beamten in Stellung brachten, bemerkte er nicht. Forderungen soll er nicht gestellt haben, weshalb die Polizei nicht von einer Geiselnahme, sondern einer Bedrohungslage sprach.

Das Hansa Centrum mit mehreren Geschäften wurde aus Sicherheitsgründen evakuiert, der Tatort großflächig abgesperrt. Viele Neugierige beobachteten den Großeinsatz hinter den Absperrungen.

Aufgrund der Sperrung kam es zwischenzeitlich zu Verspätungen von Bussen und Bahnen. Damit die Spezialisten der Spurensicherung nach dem Einsatz arbeiten konnten, blieb der Tatort bis zum Abend abgesperrt. Der Hauptbahnhof war aber den ganzen Tag geöffnet, Züge fielen nicht aus.

Am Ende ging alles ganz schnell: Nachdem Spezialkräfte zunächst mit dem Mann verhandelt hatten, überwältigten sie ihn. Dabei wurde er angeschossen und erlitt eine Beinverletzung. Er wurde noch am Abend operiert und befand sich gestern weiterhin im Krankenhaus. Die Frau befand sich schon am Samstagabend auf dem Wege der Besserung. Der Tatverdächtige sei in der Vergangenheit bereits "erheblich" polizeilich in Erscheinung getreten, unter anderem wegen Drogendelikten, hieß es. Die Staatsanwaltschaft beantragte einen Haftbefehl.

(hsr)