Düsseldorf: Loveparade: Seelsorge weiter nötig

Düsseldorf : Loveparade: Seelsorge weiter nötig

"Ich denke immer noch, dass das Telefon klingelt und meine Tochter anruft." Doch die Mutter wartet vergebens – ihre Tochter wird sich nie mehr melden. Das Mädchen ist bei der Duisburger Loveparade-Katastrophe ums Leben gekommen. Mit dem, was an jenem 24. Juli 2010 geschah, werden viele Angehörige, Verletzte und auch Rettungskräfte bis heute nicht fertig. Sie sind nachhaltig traumatisiert, klagen über Schlafstörungen oder können an keinem Bauzaun mehr vorbeigehen, ohne an den Sommertag erinnert zu werden, bei dem 21 Menschen erstickten oder zu Tode getrampelt wurden und mehr als 500 verletzt wurden. Einige sind aus Duisburg weggezogen, weil sie den Namen der Stadt nicht mehr hören können.

Doch Flucht ersetzt nicht menschlichen Rat und Trost. Deswegen arrangiert die Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland, die mit katholischen Geistlichen kooperiert, auch weiter Treffen, auf denen die Menschen über die schrecklichen Ereignisse und den Umgang damit reden können. Gemeinsam besuchen sie den Ort des grausigen Geschehens. Mindestens 60 Personen litten unter posttraumatischen Belastungen und seien auf die Beratung speziell ausgebildeter Notfallseelsorger angewiesen, sagt Pfarrer Uwe Rieske. Den Betroffenen gehe es zwar auch um die Schuldfrage, doch im Vordergrund stehe das Problem, mit dem Tod eines Angehörigen fertig zu werden: "An Jahrestagen bricht das Leid wieder auf." Deswegen werde man die Hilfe mindestens bis Ende nächsten Jahres fortsetzen, kündigte Rieske gestern in Düsseldorf an. Für die Arbeit könne das Hilfsteam zwar auf den Fonds des Landes zurückgreifen, aber man sei auch auf Spenden angewiesen. (www.hilfe-loveparade.de)

(RP)