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Loveparade: Gutachten zu Ursachen des Unglücks teilweise falsch übersetzt

Duisburg : Falsche Übersetzung im Loveparade-Gutachten

Der Prozess wegen der Loveparade-Katastrophe dürfte sich weiter verzögern. Der Grund: Es ist nun herausgekommen, dass das für die Anklage entscheidende Gutachten zu den Ursachen des Unglücks teilweise falsch übersetzt worden ist.

Dies hat das Landgericht Duisburg den Verteidigern der aktuell zehn beschuldigten Personen sowie der Staatsanwaltschaft mitgeteilt. Der Brief liegt unserer Redaktion vor.

Akribisch zitiert Richter Joachim Schwartz auf drei Seiten seines Briefes aus wichtigen Stellen des Gutachtens in Englisch, um sie mit jeweils fragwürdigen Übersetzungen in Deutsch zu vergleichen. Er schließt damit, dass "insgesamt Zweifel an der Zuverlässigkeit der Übersetzung bestehen".

Die Verzögerung bedeutet noch nicht, dass das Verfahren ganz platzt. Aber das Gutachten des britischen Panikforschers Keith Still steht bereits länger in der Kritik der Verteidiger, weil bei den Recherchen eine ihm bekannte deutsche Kollegin geholfen hatte, ohne dass dies gegenüber dem Gericht ausreichend klargemacht worden war.

Außerdem wurden den Verteidigern einige Unterlagen nicht oder erst verspätet zur Verfügung gestellt. Das Gericht war verärgert über diese Pannen der Staatsanwälte. Zusätzlich weist das Übersetzungsproblem auf eine weitere Schwäche hin. Das Gutachten von Professor Still baut auf einer Simulation des Besucherverkehrs am Tag der Loveparade-Katastrophe am 24. Juni 2010 auf.

Es besagt, dass die Wege so eng waren, dass es fast automatisch zur Massenpanik mit 21 Toten kommen musste. Die Verteidiger meinen aber, dass auch konkrete Fehler am Tag der Parade das Unglück provozierten - daher sei das Gutachten fragwürdig.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Staatsanwaltschaft über Anklage in Loveparade-Unglück

(RP)