Bonn/Düsseldorf: Linke Aktivisten stürmen Demo von Pro NRW in Bonn

Bonn/Düsseldorf : Linke Aktivisten stürmen Demo von Pro NRW in Bonn

Ein Jahr nach den gewalttätigen Ausschreitungen am Rande einer Pro-NRW-Demonstration in Bonn haben sich Anhänger der rechtsextremen Partei zu einer Kundgebung getroffen. Etwa 60 Pro-NRW-Anhängern standen im Stadtteil Bad Godesberg 200 bis 300 Gegen-Demonstranten gegenüber. Die Kundgebung war weitgehend friedlich; die Polizei war mit dem Verlauf zufrieden.

Die Beamten hatten eine 50 Meter breite Pufferzone zwischen den Gruppen eingerichtet, die beide mit Lautsprecheranlagen den Platz im Zentrum des Stadtteils beschallten. "Wir halten beide Kundgebungsgruppen auf Hör- und Rufweite, damit der Sonntag gewaltfrei bleibt", sagte ein Polizeisprecher. Zur Kundgebung von Pro NRW kamen statt der angekündigten 150 nur rund 60 Anhänger, darunter aber die gesamte Parteispitze. Mit fremdenfeindlichen Plakaten wie einer durchgestrichenen Moschee und mit ihren Reden versuchten sie, Stimmung gegen Muslime zu machen.

Trotz der großen Sicherheitsvorkehrungen bei der Demonstration in Bad Godesberg stürmten etwa 30 linke Aktivisten aus einem Hauseingang auf den Platz und bildeten eine Sitzblockade. Die Polizei umringte die Gruppe und stellte die Personalien der Demonstranten fest, zu Festnahmen kam es aber nicht. Nach anderthalb Stunden endete die Kundgebung der Rechten, die ursprünglich für fünf Stunden angemeldet war.

Pro NRW wollte mit der Demonstration an die Vorgänge vor einem Jahr erinnern. Damals hatten ihre Anhänger mit islamkritischen Karikaturen muslimische Gegen-Demonstranten provoziert. Bei den folgenden Ausschreitungen verletzten radikale Muslime drei Beamte, zwei von ihnen erlitten Messerstiche. Sie sind ein Beleg dafür, dass die Gewalt gegen Polizeibeamte zugenommen hat (unsere Zeitung berichtete). In NRW hat es im vergangenen Jahr 5982 Angriffe auf Polizeibeamte im Dienst gegeben, teilte Innenminister Ralf Jäger (SPD) mit. Dabei wurden 1816 Polizeibeamte verletzt – 15 von ihnen so schwer, dass sie mehrere Tage und Wochen dienstunfähig waren. 2011 waren es neun, im Jahr zuvor 13. "Wir müssen darauf hinwirken, dass das Handeln der Polizisten wieder mehr respektiert und wertgeschätzt wird", sagte Jäger.

Vor allem auf Streife würden Polizisten angegriffen. Typische Täter seien betrunkene junge Männer, denen es an Respekt und Anerkennung staatlicher Institutionen fehle, teilte das Innenministerium mit. Zwei Drittel der Verdächtigen waren der Polizei zuvor bereits aufgefallen. Die Hemmschwelle sinke, sich beleidigend und aggressiv gegenüber Polizisten zu verhalten.

Eine Lösung bietet die Gewerkschaft der Polizei (GdP) an: "Wenn es an Brennpunkten zu bestimmten Zeiten immer wieder zu Gewalttaten kommt, muss dort nicht auch noch unbegrenzt Alkohol verkauft werden", sagte Arnold Plickert, GdP-Landesvorsitzender. Nach Angaben der Gewerkschaft spielen bei zwei Drittel aller Angriffe gegen Polizisten Alkohol und Drogen eine große Rolle.

(RP)
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