Lesung der besonderen Art im "reinraum"

Etwas versteckt liegt der "reinraum" – eine frühere, unterirdische Toilettenanlage – am Jahnplatz. Diesen ungewöhnlichen Ort wählten Germanistikstudenten des Bereichs Schriftlichkeit für eine Lesung der besonderen Art. Sie hatten sich im Wintersemester mit der Reiseliteratur des 19. Jahrhunderts beschäftigt.

Nach Klassikern von Johann Wolfgang von Goethe und Heinrich Heine stand als aktueller Vertreter des Genres Autor Andreas Neuenkirchen mit seiner "Gebrauchsanweisung für Japan" auf dem Programm. Studentin Vanessa Lellig hatte ihn entdeckt: "Ich habe das Buch durch Zufall gelesen und war sehr angetan." Früher sei das Reisen exklusiver und schwieriger gewesen, heute für fast alle möglich und einfacher. Student Christian Lingen ergänzt: "Uns hat die Reiseliteratur des 19. Jahrhunderts so fasziniert, dass wir nach dem Seminar mit aktuellen Texten weiterarbeiten und eine Lesung planen wollten."

Umrahmt wurde diese von einer Fotoausstellung von Studierenden des Instituts für Modernes Japan. Stefanie Clasen und Elisabeth Scherer wählten 25 Exponate aus, die zugunsten der Erdbebenopfer ersteigert werden konnten. Auch Autor Andreas Neuenkirchen bot mit. Eigentlich brauche man für Japan ja keine Gebrauchsanweisung erklärte er schmunzelnd, sofern man manierlich miteinander umgehen könne. 1999 war der Autor erstmals geschäftlich in Japan, sein Interesse riss seitdem nicht ab.

Aktuell arbeitet er an einem Buch über Tokio. "Das wird natürlich infolge der Ereignisse in Japan etwas anders als geplant." Unterhaltsam entschlüsselt er in seinem etwas anderen Reiseführer Land und Leute, beschreibt die Firmenfeiern zur Kirschblüte, so dass der Band selbst Japanern gut gefällt. Noriko Kitagawa-Axmann: "Es gibt viele Missverständnisse, aber man tickt, wie man tickt. Er beobachtet das sehr gut, ohne sich darüber lächerlich zu machen, das gefällt mir."

Und so gelang es dem Autor Neuenkirchen, die Anwesenden mitzunehmen ins Land von Sumo, Sushi und Sony. Asta-Referentin und Organisatorin Aljona Merk freute sich über die Mitwirkung des Hochschulradios, das die Lesung live auf den Jahnplatz übertrug. Seminarleiter Holger Ehlert ist begeistert von seinen Studenten: "Sie haben alles eigenständig organisiert und vermitteln Literatur und Wissenschaft aus der Uni in die Stadt hinein."

(sime)