Lauterbach – Maler im Zwielicht

Lauterbach – Maler im Zwielicht

Jahrzehntelang stand der Düsseldorfer Künstler, Sammler und Mäzen Carl Lauterbach (1906–1991) in hohem Ansehen. Jetzt fällt ein Schatten auf sein Leben und seine Arbeit: Lauterbach war unter dem NS-Regime kein Widerständler, sondern diente sich den Machthabern an.

Hier irrt Wikipedia, das sonst meist zuverlässig informierende Internet-Lexikon: Carl Lauterbach (1906–1991), der deutsche Maler und Kunstsammler, Mitglied des "Jungen Rheinland" und der Assoziation revolutionärer bildender Künstler, angebliches Opfer der nationalsozialistischen Aktion "Entartete Kunst" und seit 1992 Namenspate einer Straße in seiner bergischen Geburtsstadt Burscheid, war kein Widerständler. Er war nicht der "Antifaschist", als den ihn vor allem die Stadt Düsseldorf jahrzehntelang hofierte – Lauterbach, den Sammler, dem das Stadtmuseum zahlreiche Schenkungen verdankt.

Ein Dossier über Lauterbach, welches das Stadtmuseum jetzt ins Internet gestellt hat, bestätigt, was man bereits ahnen konnte. Denn schon seit 2005 verleiht Düsseldorf seinen "Carl-Lauterbach-Preis für soziale Grafik" nicht mehr.

Pikant ist die Wahrheit über Carl Lauterbach vor allem in Zusammenhang mit einer berührenden Ausstellung, die das Stadtmuseum kürzlich eröffnete. Sie enthält Bilder jüdischer Kinder, die in den 1930er Jahren mit ihren Familien Düsseldorf verlassen mussten, sich teils ins Ausland retten konnten, teils aber in Auschwitz ermordet wurden. Lauterbach zählt zu jenen, die diese Zeichnungen aus der Sammlung des jüdischen Malers Julo Levin überliefert haben. Aus vielen dieser Bilder aber – so heißt es im Text des Stadtmuseums – habe Lauterbach die Namen der Kinder ausradiert oder abgeschnitten.

Nicht nur dies erschüttert den Ruf des einst guten Menschen von Düsseldorf. Der Text des Stadtmuseums fördert auch Folgendes zutage: "Entgegen seiner späteren Selbstdarstellung als Oppositioneller und Künstler des Widerstands hat Lauterbach nach eigener Aussage zwischen 1933 und 1943 an rund 40 Ausstellungen in Deutschland und den von Deutschland besetzten Gebieten mitgewirkt, darunter an der von der Wehrmacht organisierten Kunstausstellung für Deutsche Soldaten in Paris." Und weiter: "Lauterbach hatte weder Berufsverbot, noch galten seine Bilder als ,entartet'. Seit 1934 war er Mitglied in der Reichskammer der bildenden Künste."

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Damit nicht genug. Nach dem Krieg beantragte er dem Dossier zufolge, das sich auf Werner Albergs Buch über Carl Lauterbach von 1994 und auf das im Besitz des Stadtmuseums befindliche Archiv Lauterbach selbst gründet, Wiedergutmachung als politisch Verfolgter. Er war Mitglied der "Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes" und des "Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands", der 1947 eine Einzelausstellung Lauterbachs in der Kunsthalle Düsseldorf veranstaltete. Ab 1950 hatte Lauterbach im Künstlerhaus an der Sittarder Straße ein Atelier.

Jetzt also ist die Mär vom Widerständler Carl Lauterbach, zu dessen Freunden immerhin Otto Pankok zählte, zerstört. Düsseldorfs Kulturdezernent Hans-Georg Lohe erklärte auf Anfrage, dass die Stadt für Lauterbach keine Gedenkveranstaltungen organisieren werde. Mutmaßen darf man, dass auch die Stadt Burscheid Konsequenzen ziehen und ihre Lauterbach-Straße umbenennen wird.

Als Burscheid vor sechs Jahren mit einer Ausstellung an den vor 100 Jahren geborenen Lauterbach erinnerte, wunderte man sich dort, dass Düsseldorf keine Leihgaben herausrückte. Jetzt hat sich der Hintergrund geklärt.

(RP)
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