Laut einer aktuellen Statistik steigt das Bildungsniveau von Migrantenkindern

Integrationsstatistik: Zuwanderer integrieren sich besser

Insbesondere das Bildungsniveau von Migrantenkindern steigt: Sie machen immer häufiger höhere Schulabschlüsse, zeigt eine aktuelle Statistik. Das hat auch positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

Menschen mit Migrationshintergrund in Nordrhein-Westfalen beenden ihre Schullaufbahn heute viel häufiger mit der Hochschulreife als noch 2005. Jeder fünfte Zuwanderer erzielte 2016 die Fachhochschulreife oder das Abitur, vor 13 Jahren war es erst jeder zehnte. Das geht aus der sechsten kommentierten Zuwanderungs- und Integrationsstatistik hervor, die NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) nächste Woche im Landtag vorstellt. Bei deutschen Schulabgängern liegt der Anteil der Abiturienten bei knapp 42 Prozent.

Der steigende Anteil belegt, dass Schüler mit Migrationshintergrund immer besser integriert sind. Ähnliches gilt dem Bericht zufolge auch für den Arbeitsmarkt: 2005 lag die Arbeitslosenquote von Menschen mit Migrationshintergrund bei 19 Prozent, 2016 nur noch bei 7,6 Prozent. Der Abstand zur übrigen Bevölkerung schmolz auf vier Prozentpunkte zusammen.

„Das sind erfreuliche Entwicklungen, die uns nicht überraschen“, sagt Frank Kalter, Leiter des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (Dezim). „Die zunehmenden Integrationserfolge im Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt deuten sich schon seit längerer Zeit an und werden noch viel zu wenig wahrgenommen. Sie sind umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, unter welch schlechten Bedingungen viele Migrantengruppen hier starten.“ Unter Kindern und Jugendlichen sei der enorme Aufholtrend besonders deutlich, so der Migrationsforscher.

Insgesamt haben in NRW 4,6 Millionen Menschen einen Migrationshintergrund, das sind knapp 26 Prozent der Bevölkerung. Am höchsten ist der Anteil in Leverkusen mit 39,3 Prozent, gefolgt von Hagen mit 37,4 Prozent. Den niedrigsten Anteil hat der Kreis Höxter mit 12,1 Prozent.

Dabei wird ein großes Generationengefälle deutlich: Nur 13 Prozent der Älteren über 65 Jahre haben ausländische Wurzeln, bei den Drei- bis Sechsjährigen sind es hingegen 41 Prozent. 360.000 Menschen wanderten 2016 aus dem Ausland zu, aber es wanderten auch 227.000 ab.

Die regionalen Unterschiede innerhalb von NRW sind jedoch groß. Die meisten Zuwanderer ließen sich im Ruhrgebiet nieder – trotz der dort relativ hohen Arbeitslosigkeit. Sie stammen überwiegend aus Polen und der Türkei.

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Große Anziehungskraft hat für Ausländer auch das Rheinland, wo Zuwanderer von allen NRW-Regionen die höchsten durchschnittlichen Nettoeinkommen erzielen (1824 Euro). Hier gibt es auch die jeweils höchsten Anteile bei Selbstständigen.

Ähnlich ist die Lage in der Region Aachen. Dort ist der Anteil der Kinder mit ausländischen Wurzeln, die in der achten Klasse ein Gymnasium besuchen, landesweit am höchsten. 38 Prozent erreichten 2016 die (Fach-)Hochschulreife. Auch die Gehaltsdifferenz zur übrigen Bevölkerung ist so gering wie sonst nirgendwo im Land – sie liegt bei 285 Euro.

Ganz anders ist hingegen die Lage im Münsterland. Dort ist der Anteil der Menschen mit ausländischen Wurzeln mit Abstand am niedrigsten (18,3 Prozent). Gleichzeitig ist ihr durchschnittliches Nettoeinkommen mit 1601 Euro so niedrig wie sonst nirgendwo in NRW.

Das Bergische Land wiederum hat zwar mit 30,5 Prozent von allen Regionen den höchsten Migrationsanteil. Es zieht aber kaum noch neue Zuwanderer an. Sie erreichen dort dem Bericht zufolge eher niedrige und mittlere Schulabschlüsse und sind vor allem in Produktionsberufen tätig oder als Angestellte. Auffällig ist, dass der Lohnabstand zur übrigen Bevölkerung mit 599 Euro so hoch ist wie in keiner anderen Region.

„Wir wissen aus vielen Analysen, dass die Hürden, die noch bestehen, vor allem etwas mit der sozialen Lage der Migranten zu tun haben, weniger mit ihrem Herkunftsland an sich“, sagt Frank Kalter. Der Migrationsforscher empfiehlt einen anderen Fokus: „Bildungspolitische Maßnahmen, die auf die Beseitigung von sozialen Unterschieden im Allgemeinen zielen, haben indirekt wohl eine größere Effektivität als nur spezifisch auf Migrantengruppen ausgerichtete Programme.“

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