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Landfahrer randalieren im Rheinland

Landfahrer randalieren im Rheinland

Sie sind wieder da: Die irischen Nomaden campen mit ihren Wohnwagen wild auf städtischen Flächen, verwüsten Parkplätze und prellen Restaurant-Rechnungen. Derzeit hofft die Stadt Bornheim, dass sie bald weiterziehen. Doch ein Todesfall verzögert den Aufbruch.

Leverkusen/Bornheim Sie haben die Absperrungen auf dem Parkplatz der Kölner Messe ramponiert, containerhohe Müllberge und geprellte Tankrechnungen in Leverkusen hinterlassen, einen Mc-Donald's-Filialleiter in Bornheim dazu gebracht, seine Gäste von der Polizei schützen zu lassen: Die Schadensbilanz der Irish Traveller ist eine Woche nach ihrem Eintreffen im Rheinland beachtlich. Und sie könnte noch beachtlicher werden. Denn so sehr viele Bürgermeister, Ordnungsamtsleiter und Kneipenwirte in der Region hoffen, dass das fahrende Volk bald weiterzieht, so wenig wissen sie, wann die Iren gehen – und vor allem: wo im Rheinland sie als nächstes wieder auftauchen werden.

Zuletzt wurden die Landfahrer in Bornheim bei Bonn gesehen, gestern Mittag campten sie dort auf einem Gewerbegebiet hinter einem Baumarkt. Angekommen im Rheinland waren sie bereits an Gründonnerstag: Rund 400 der irischen Nomaden trafen mit ihren von Luxuswagen gezogenen Wohnmobilen in Köln-Deutz ein. Nach einem turbulenten Wochenende in der Domstadt leitete die Polizei die Besucher schließlich Richtung Norden weiter. Die Landfahrer machten Station auf dem Bayer-Parkplatz Kurtekotten in Leverkusen, auch dort wurden sie schließlich von der Polizei zum Aufbruch "überredet".

Die Irish Traveller gehören zu einem Stamm irischer Nomaden, die häufig mit "Sinti und Roma" verwechselt werden, mit ihnen aber weder ethnische noch kulturelle Gemeinsamkeiten haben. Die Clan-Mitglieder sprechen ihre eigene Sprache: einen Mix aus irisch-gälischen, englischen und romanischen Elementen. Vor allem aber pflegen sie einen sehr eigenen Lebensstil – zumindest diejenigen Stammesmitglieder, die Frühjahr für Frühjahr ins Ausland reisen.

Dann ziehen die Landfahrer mit Luxusautos und Wohnmobilen von Stadt zu Stadt – 160 Caravane campierten über Ostern allein auf dem Parkplatz P 21 der Kölner Messe. Offiziell leben sie von Handel, ihrer Arbeit als Handleser oder Handwerker. Häufig prellen sie die Rechnung. Allein in Köln liegen Anzeigen von mindestens zwölf Gastwirten, Taxifahrern und Privatleuten vor, denen die Landfahrer Geld schuldig geblieben sind. Die Landfahrer gelten als ausgesprochen feier- und prügelfreudig – was für interne Streitereien ebenso gilt wie für Konflikte mit Außenstehenden. Diese gab es diesmal nicht nur mit Kommunen und Kneipiers, sondern auch mit der Kölner Staatsanwaltschaft. Sie gab die Leiche eines Clan-Mitgliedes nicht frei, ohne die die Traveller die Region aber nicht verlassen wollten.

Ein 37-jähriger Landfahrer war am Wochenende in Köln gestorben, woraufhin die Traveller die Polizei riefen. Die Beamten stellen keine unnatürliche Todesursache fest, übergaben die Leiche aber trotzdem der Kölner Rechtsmedizin. Diese bestätigte die natürliche Todesursache. "Wir haben kein Todesermittlungsverfahren eingeleitet", sagte Tino Seesko, Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln gestern.

Doch mit der Freigabe der Leiche allein, die laut Staatsanwaltschaft inzwischen erfolgt ist, war die Angelegenheit nicht erledigt. Gerüchten zufolge wollten die Landfahrer das verstorbene Clan-Mitglied selbst zurück nach Irland bringen – was offiziell aber nur ein Bestatter darf. Nun scheinen die Iren die Auflagen akzeptiert zu haben. "Die Familie hat einen Bestatter beauftragt", so der Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft gestern. Mitarbeiter der Stadt Bornheim, wo bis gestern noch rund 40 Wohnmobile der Iren standen, haben von Clan-Mitgliedern erfahren, dass der Verstorbene heute offiziell nach Irland geflogen werden soll. Das sagte Bornheims Bürgermeister Wolfgang Henseler. Ein Teil der Landfahrer, darunter die Witwe und die Schwester des Verstorbenen, wollen sich demnach ebenfalls heute auf den Weg in Richtung Irland machen. "Sie haben offenbar eine konkrete Fähre nach Dublin im Blick", so Henseler. Der Rest der Gruppe wolle nach Süden weiterreisen.

Keine zehn Kilometer südlich von Bornheim liegt Bonn, wo man die Wanderbewegung der Landfahrer genau beobachtet. "Wir haben das zur Kenntnis genommen", sagt eine Sprecherin der Stadt. "Sollten sich die Landfahrer in unserem Gebiet niederlassen, können wir sie nur bitten, weiterzuziehen. Eventuell muss man sehen, wie man Überzeugungsarbeit leisten kann."

(RP)