Kampf gegen Lehrermangel Es gibt wieder mehr Referendare in NRW

Düsseldorf · Die Zahl der Referendare in NRW ist wieder gestiegen. Fachverbände loben das, fordern aber eine Verbesserung der Unterrichtssituation: Lehrer müssten wieder mehr Lehrer sein dürfen, heißt es.

  Eine Schülerin meldet sich im Unterricht.

Eine Schülerin meldet sich im Unterricht.

Foto: dpa/Daniel Karmann

Die Landesregierung hatte am Dienstag positive Nachrichten in Sachen Lehrkräftemangel zu verkünden: Wie das Schulministerium am Vormittag mitteilte, stieg die Zahl der Lehramtsanwärter, die mit ihrem Referendariat begonnen haben, um 209 auf insgesamt 3144 Nachwuchslehrer. Laut dem Ministerium ist das ein Anstieg zum Vorjahr um sieben Prozent. Dabei strebt der Lehrernachwuchs weiter vor allem an die Gymnasien, die mit 1276 Lehramtsanwärtern rund 40 Prozent aller Referendare ausmachen. Auf dem zweiten Platz landen die Grundschulen mit 761.

Das Referendariat dauert 18 Monate, dann legen die Kandidaten noch eine staatliche Prüfung ab und können dann als reguläre Lehrkräfte den Schuldienst antreten. Die Ausbildung kann auch in Teilzeit absolviert werden, dauert dann aber insgesamt zwei Jahre. NRW stellt jährlich immer zum 1. Mai und zum 1. November ein.

Lob kam von Seiten des Nordrhein-Westfälischen Lehrerverbands. Dessen Präsident Andreas Bartsch sagte unserer Redaktion: „Jede zusätzliche besetzte Stelle ist eine gute Nachricht. Wir freuen uns über jeden Lehrer, der ins System kommt.“ Man wisse allerdings noch nicht, wie viele Personen während des Referendariats ausscheiden. Der WDR hatte im vergangenen Herbst berichtet, dass im Jahr 2022 insgesamt nach Abschluss des Lehramtsstudiums rund 6800 junge Leute ins Referendariat gestartet waren, von denen knapp 500 den Vorbereitungsdienst abbrachen.

Bartsch wies darauf hin, dass man jetzt die Voraussetzungen schaffen müsse, den Lehrerberuf attraktiv zu machen. „Da ist beim Finanziellen viel passiert – etwa durch die Anhebung der Lehrer-Besoldung an Grundschulen und in der Sekundarstufe I auf A13 bis 2026. Es muss aber zusätzlich eine Perspektive für Schulleiter, stellvertretende Schulleiter und Fachleiter geben. Es muss durch Beförderungsmöglichkeiten zudem eine Laufbahn für Lehrer geben, es darf nicht nur ein Laufstall sein.“

Zugleich erlebten die Lehrer von morgen, also die heutigen Schüler, schon jetzt, wie die Situation in den Klassen sei, sagte Bartsch. „Wie wollen wir die jungen Menschen vom Beruf des Lehrers überzeugen, wenn sie in unruhigen Klassen lernen müssen, überforderte Lehrer sehen, Gewaltausbrüche und Drogenmissbrauch an der Tagesordnung sind?“ Lehrer seien keine Psychologen, Schulsozialarbeiter oder Verwaltungsfachkräfte, sie seien Fachleute in Sachen Unterrichten. „Deshalb brauchen sie eine Entlastung, um sich auch wieder individueller mit den Schülern auseinandersetzen zu können“, sagte Bartsch. Es sei gut, dass das Start-Chancen-Programm zur Förderung von Schulen auch Mittel vorsehe, damit nicht länger die Schulträger, also die Kommunen, für die Bezahlung von Psychologen, Sozialarbeitern und Verwaltungskräften verantwortlich seien. „Das hat nämlich nicht geklappt“, sagte Bartsch. „Die Ministerin muss sicherstellen, dass die Mittel flächendeckend allen Schulen in ganz Nordrhein-Westfalen zugutekommen. Nicht nur die Brennpunktschulen sollten davon profitieren.“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort