Tötung ohne vorherigen Gentest Einigung für schnelle Wolfsabschüsse – NRW-Umweltminister spricht von „Durchbruch“

Münster · Nordrhein-Westfalen will die neuen Vorgaben rasch umsetzen, die jetzt bundesweit ermöglicht werden. Landwirte sind unzufrieden. Sie fordern eine Abschussquote. Welche Regeln bald in NRW gelten sollen.

Wolf: Was tun, bei einer Begegnung? Verhaltenstipps
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Was tun, wenn der Wolf vor einem steht?

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Foto: dpa/Bernd Thissen

Einmütig haben sich die Umweltminister der 16 Bundesländer gemeinsam mit dem Bund auf neue Regeln zum Abschuss von Wölfen geeinigt. „Uns ist da ein Durchbruch gelungen“, sagte NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne). Man habe eine rechtskonforme Regelung, die „in Zukunft unsere Möglichkeiten, hier mit problematischen Wölfen umzugehen, deutlich erleichtern wird“.

Die neuen Vorschriften betreffen Regionen, in denen Angriffe auf Weidetiere schon ein Problem sind – beispielsweise in Wolfsgebieten. Wenn ein Raubtier in so einem Gebiet auf einer vernünftig umzäunten Weide zugeschlagen hat, dann darf direkt eine Abschussgenehmigung erteilt werden. Binnen der nächsten drei Wochen darf dann ein Wolf getötet werden, der sich im Umkreis eines Kilometers zeigt. Das sind die Kernpunkte des Konzeptes, das Freitag bei der Umweltministerkonferenz in Münster beschlossen wurde.

Im Vordergrund stehe also weiter der Herdenschutz, betonte Krischer. Wo welche Vorgaben dazu gemacht werden, sollen die Länder festlegen, wobei auch regionale Unterschiede eine Rolle spielen dürfen.

Die EU-Kommission habe bestätigt, dass die deutsche Planung mit europäischem Recht vereinbar sei, erklärte Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne). Die neuen Maßgaben bedeuteten, „dass man in einer gewissen Weise in Kauf nimmt, dass nicht der richtige Wolf geschossen wird“, räumte sie ein. Allerdings sei das auch bei heutigen Entnahme-Genehmigungen für bestimmte, genetisch identifizierte Problemwölfe so. Schließlich kann ein Jäger nicht sicher sein, welchen Wolf er vor die Flinte bekommt. Womit Lemke direkt ein Problemfeld ansprach: Es komme nun darauf an, dass sich auch Jäger finden, die Abschüsse vornehmen.

Vertreter der Landwirtschaft sind unzufrieden mit den Weichenstellungen: Der Beschluss bleibe „weit hinter den notwendigen Schritten zurück“, erklärte der Deutsche Bauernverband. Weidetierhalter- und Landnutzerverbände fordern geschlossen, den Wolfsbestand in Deutschland mit Abschussquoten systematisch zu begrenzen.

Dieses Thema habe bei der Umweltministerkonferenz „am Rande eine Rolle gespielt“, hieß es dort. Man sei in der Abstimmung darüber, wo der Erhaltungszustand der Art Wolf in Deutschland inzwischen gut sei. Bundesumweltministerin Lemke zeigte sich jedoch skeptisch. Abschussquoten seien mit dem Europarecht womöglich nicht vereinbar und könnten sogar dazu führen, dass Risse häufiger würden, wie sich beispielsweise in Frankreich zeige. „Wir wollen, dass die Risse zurückgehen“, sagte sie. „Dafür muss man die Wölfe schießen, die entweder einmal oder mehrfach Weidetiere getötet haben.“

Mit der Umsetzung der Regeln wollen die Bundesländer sich beeilen. Die Wolfsverordnung von NRW solle voraussichtlich im Frühjahr 2024 entsprechend geändert werden, hieß es aus dem Umweltministerium. Zugleich hat Oliver Krischer selbst einen weiteren Erlass auf den Weg gebracht, der Abschuss-Genehmigungen ebenfalls erleichtern soll.

Für die Opposition gibt es dennoch Anlass zur Kritik: „Bisher hat die schwarz-grüne Landesregierung die Weidetierhalterinnen und -halter völlig im Stich gelassen und das Problem von Tierrissen durch Problemwölfe immer wieder heruntergespielt“, sagte der Umweltexperte der FDP-Fraktion, Dietmar Brockes. Von der SPD hieß es, mit seinem eigenen Erlass habe Krischer nur für Verwirrung gesorgt.

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