Umfrage-Trend zur K-Frage Wird Wüst sein Glück wagen müssen?

Meinung | Düsseldorf · Dürften die Menschen in Nordrhein-Westfalen den nächsten Kanzler direkt wählen und träte Wüst gegen Amtsinhaber Scholz an, fiele das Votum eindeutig zugunsten des Münsterländers aus. Droht der Union ein neuer Machtkampf?

Hendrik Wüst - Landtagswahl NRW 2022 - CDU: Das ist NRW-Ministerpräsident
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Das ist Hendrik Wüst

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Foto: dpa/Marcel Kusch

Die Freude im Wüst-Lager dürfte angesichts der deutlichen Umfragewerte zugunsten des NRW-Regierungschefs groß sein. Demnach hätte der 48-Jährige hervorragende Chancen, Kanzler Olaf Scholz auf die Plätze zu verweisen. Beim Chef der Unionsfraktion, Friedrich Merz, ist die Sache mit nur einem Punkt Vorsprung dagegen deutlich weniger ausgemacht.

Natürlich darf man nicht vergessen, dass bei der jüngsten Umfrage nur Menschen aus Nordrhein-Westfalen einvernommen wurden. Aber immerhin lebt jeder fünfte Wahlberechtigte an Rhein und Ruhr. Ignorieren lässt sich aus CDU-Sicht das Ergebnis des NRW-Checks also nicht. Mit einem solchen Ergebnis im Rücken wird der Druck auf Wüst steigen, seinen Hut in Sachen Kanzlerkandidatur in den Ring zu werfen. Wenn tatsächlich das Diktum gilt, dass derjenige antreten müsse, der bei den Wählern am besten ankomme, dann führt an dem Münsterländer augenscheinlich kaum ein Weg vorbei.

Dass sich Merz aber einfach damit abfinden wird, ist unwahrscheinlich. Die Wahl 2025 ist seine letzte Chance, nach der Kanzlerschaft zu greifen. Entsprechend spürbar ist auch die Anspannung. Schon Wüsts erstes leicht angedeutetes Interesse Kostenpflichtiger Inhalt in einem Interview mit unserer Redaktion im Sommer 2023 triggerte den CDU-Chef derart, dass er brachial zurückgiftete und sich öffentlich abfällig über die Regierungsmannschaft in Düsseldorf äußerte.

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Das ist Friedrich Merz

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Foto: dpa/Michael Kappeler

Für die Union ist die Situation durchaus riskant – und alles andere als Neuland. Schließlich war nicht nur das zeitlich schlecht getimte Lachen bei einer Flutopfer-Gedenkveranstaltung dafür verantwortlich, dass der lange als sicher in Führung geglaubte Armin Laschet am Ende das Rennen um die Kanzlerschaft gegen Olaf Scholz verlor. Das ständige Sperrfeuer des „Kanzlerkandidaten der Herzen“ Markus Söder aus Bayern war mindestens genauso kontraproduktiv.

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Foto: Martin Ferl

Sollten die Landtagswahlen im Osten so krachend für die CDU verloren gehen, wie es derzeit aussieht, wird dies zunehmend zum Problem für Merz. Und hält der Umfrage-Trend an, wird Wüst sein Glück wagen müssen.

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