1. NRW
  2. Landespolitik

Wenn die Umfragewerte auseinanderklaffen

„Hier in NRW“ - Kolumne zur NRW-Landespolitik : Wenn die Werte nach unten gehen

Der Lockerungskurs von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kommt in der Bevölkerung ener Umfrage zufolge an. Doch selbst profitieren kann sein Urheber nicht davon. Im Gegenteil. Woran mag das liegen?

Was musste sich Armin Laschet in den vergangenen Monaten alles vorwerfen lassen. Schon kurz nachdem der Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten Bundeslandes den Lockdown verkündet hatte, mahnte er im Interview an, man müsse sich schon einmal Gedanken um den Weg aus den Lockerungen heraus machen. Dieses Vorpreschen irritierte viele vorsichtige Beobachter und bescherte Laschet die Charakterisierung als Lockerungspapst.

Setzte da einer die Gesundheit der Menschen leichtfertig aufs Spiel? Womöglich nur, um das eigene politische Profil in Abgrenzung zu seinem Amtskollegen aus Bayern zu schärfen? Die Corona-Daten stützen inzwischen Laschets Kurs. Die Zahl der Infizierten geht zurück, Intensivbetten werden nicht genutzt. Und das, obwohl die Lockerungen längst Realität sind. Das zuvor so kritisch beäugte Wiederanfahren des öffentlichen und privaten Lebens wird laut einer Umfrage von Infratest Dimap für den WDR inzwischen von einer beeindruckenden Mehrheit von 60 Prozent der NRW-Bürger als richtig empfunden.

Doch profitiert der Mann, der wie kein anderer im „Land der Küchenbauer“ für den Öffnungskurs steht? Im Gegenteil. Nach den Rekordwerten vom April (65 Prozent Zustimmung) rauschte er um 19 Punkte nach unten. Das darf man in der Staatskanzlei zurecht als ungerecht empfinden. Aber woran liegt dieser scheinbare Widerspruch? Am Ende war es wohl die kommunikative Begleitmusik: das Wirrwarr um die Schulöffnungen, das auch dem Chef angelastet wurde, sein fahriger Auftritt in der Talkshow von Anne Will und die ins negative umgeschlagene PR-Kampagne von Storymachine bei der Heinsberg-Studie. Um die Chance auf CDU-Vorsitz und Kanzleramt zu wahren, muss Laschet da souveräner werden.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor unter kolumne@rheinische-post.de.