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Landtagswahl in NRW: Wahlwerbe-Riese zeigt AfD die kalte Schulter

Landtagswahl in NRW : Wahlwerbe-Riese zeigt AfD die kalte Schulter

Die Wattenscheider Firma Wesselmann, die für alle großen Parteien Riesenwahlplakate konstruiert, will nicht mit der AfD zusammenarbeiten. Die Partei gibt sich davon unbeeindruckt. Sie will sich teure Plakate spenden lassen.

In wenigen Wochen säumen sie wieder Straßenränder und Ampelkreuzungen: Riesenwahlplakate der Parteien für die NRW-Landtagswahl. 3,50 Meter × 2,50 Meter messen die unübersehbaren Aufsteller, die vielleicht nicht mehr als modern, für Wahlkämpfe aber immer noch als unverzichtbar gelten.

Alle großen Parteien setzen immer wieder auf die Konstruktionen der Firma Wesselmann — weshalb die Aufsteller in der Branche schlicht "Wesselmänner" heißen. Das Bochumer Familienunternehmen "Wahlkampfwerbung Wesselmann Wattenscheid" hat ein weit gehendes Monopol auf die Stellwände und ist seit mehr als vierzig Jahren bei Bundes- und Landtagswahlen quer durch die Republik im Einsatz.

Keine Geschäfte mit der AfD

Je härter der Wahlkampf, desto besser fürs Geschäft. Doch ein Geschäft hat die Firma Wesselmann nun ausgeschlagen: das mit der AfD. "Aufträge von dieser Partei nehmen wir grundsätzlich nicht an", heißt es aus dem Betrieb. Mehr wolle man nicht sagen. Auch für welche anderen Parteien sie bald NRW plakatieren, will Wesselmann nicht verraten. Diskretion gehöre dazu. Nur so viel: AfD-Wesselmänner werde es nicht geben.

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Das scheint die AfD in Nordrhein-Westfalen nicht zu beeindrucken. Wesselmänner seien sowieso nicht geeignet, heißt es aus dem Landesverband, wegen der kurzen Halbwertszeit. "Die meisten AfD-Plakate würden ja nach zwei Stunden zerstört werden", sagt Matthias Gellner von der Bottroper AfD. Aber die Partei hat eine Alternative: Sie lässt Plakate spenden, auf teuren Standardwerbeflächen. Auf seiner Internetseite ruft der Landesverband zum Plakatespnden auf, bald soll es auch in den sozialen Medien beworben werden.

Mit wenigen Klicks lässt sich auf der AfD-Webseite bestimmen, wo, in welchem Zeitraum und zu welchem Thema das gewünschte AfD-Plakat hängen soll: zum Thema Familie, Bildung oder innere Sicherheit. Was letztendlich darauf zu sehen und zu lesen ist, erfährt man allerdings bei der Bestellung nicht; die Wahlslogans will die NRW-AfD erst kurzfristig bekanntgeben. Je nach Standort zahlt ein Plakatspender zwischen 90 und rund 800 Euro je zehn Tage. Die ersten sollen ab dem 14. April hängen.

Partei setzt auf Onlinetool

Zu seiner finanziellen Situation will der Landesverband keine Angaben machen, ebenso wenig zu seinem Wahlkampfbudget. Mit der Spendenaktion wolle man sich die Wahlplakate praktisch finanzieren lassen, erklärt Matthias Gellner, Chef des AfD-Mittelstandsforums in NRW und Mitglied im AfD Bundesvorstand. Für den Landesverband entstünden keine Kosten. Gellner koordiniert die Aktion und spricht bereits von "zahlreichen Buchungen" über das Onlinetool. Hundert Flächen in ganz NRW habe die AfD schon vermietet. Was die Werbeflächen angeht, würden sie auf alle große Anbieter wie Ströer und Wall zurückgreifen. Im Detail kümmere sich darum aber eine Agentur, deren Namen man nicht nennen wolle.

"Wir respektieren die Meinungsfreiheit"

Der Marktriese Ströer hatte jüngst einen Deal für digitale Wahlkampfwerbung mit der AfD platzen lassen. Die AfD wollte 40 Prozent aller Beiträge bei der Ströer-Tochter T-Online mit Wahlwerbung versehen. Im Onlinebereich habe man sich generell gegen Parteiwerbung entschieden, betont Ströer, bei der Außenwerbung sei das anders: Ströer werde Aufträge von sämtlichen demokratischen Parteien ausführen, "sofern dies für uns aus wettbewerbsrechtlichen Gründen geboten ist und diese im Einklang mit den geltenden gesetzlichen Bestimmungen stehen", sagte ein Sprecher. "Wir respektieren die Meinungsfreiheit." Ströer behalte sich aber vor, Motive einzeln zu prüfen, bevor sie hängen.

AfD-Mann Gellner aus Bottrop, der auf Platz 22 der Landesliste für die NRW-Wahl steht, ist selbst im regionalen Vertrieb bei Ströer tätig, beziehungsweise war es. Das Unternehmen teilte mit, dass sein Vertrag auslaufe und er derzeit freigestellt ist — für seine AfD-Kandidatur.

(RP)