Martin Schulz in Herne: "Wähler in Bewegung wie noch nie"

Martin Schulz in Herne : "Wähler in Bewegung wie noch nie"

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hält den Ausgang der Bundestagswahl für völlig offen. "Noch nie war die Wählerschaft so in Bewegung", sagte der frühere EU-Parlamentspräsident bei einer SPD-Veranstaltung in Herne.

Der Abstand zur Union in den Wahlumfragen sei überwindbar. "Ich habe den Anspruch, Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland zu werden", bekräftigte Schulz sein Wahlziel. Die SPD müsse sich für mehr Gerechtigkeit einsetzen, sagte der designierte Parteivorsitzende. "Wir müssen das individuelle Schicksal der Menschen in den Mittelpunkt stellen."

"Er wirkt durchaus authentisch"

Der designierte Parteivorsitzende schüttelt viele Hände, stellt sich für Selfies auf und überreicht Neu-Genossin Kerstin Röttchen ihr Parteibuch. Schulz kokettiert ein wenig mit seinem noch nicht offiziellen Status. "Ich bin ja noch in der Probezeit", sagt er mit Blick auf den Sonderparteitag am 19. März, auf dem er zum Parteichef gewählt werden soll.

Gekommen sind nicht nur Parteimitglieder. "Wir wollen Schulz persönlich kennenlernen", sagt Karl Keining aus Bottrop. Schulz gelte ja als neuer Hoffnungsträger. "Bis jetzt hat es ja nicht so gefruchtet bei der SPD", sagt Keining, der sich als SPD-Sympathisanten bezeichnet. Hans-Jörg Dost, aus Dresden und zu Besuch im Ruhrgebiet, lobt den Europapolitiker Schulz. In Brüssel habe sich Schulz gut eingesetzt. Mit dessen Auftritt in Herne ist Dost zufrieden. "Er wirkt durchaus authentisch. Jetzt muss er es nur noch umsetzen."

"Schulz ist jetzt der richtige Kandidat"

Einer, der den ehemaligen Bürgermeister von Würselen schon lange kennt, ist Franz Müntefering. "Schulz ist jetzt der richtige Kandidat. Sigmar Gabriel hat lange gezögert. Martin Schulz wird jetzt Bewegung in die Sache bringen", sagt Müntefering, der auch schon SPD-Vorsitzender war. Müntefering sitzt im "Mondpapalast" im Publikum. Seine Ehefrau Michelle hat ihren Wahlkreis in Herne.

Herne ist SPD-Hochburg. Bei der Bundestagswahl 2013 erhielten die Sozialdemokraten 44,2 Prozent der Zweitstimmen. Michelle Müntefering gewann mit 48,5 Prozent der Erststimmen das Direktmandat. Aber auch in der Stadt zwischen Dortmund, Bochum und Gelsenkirchen sind die Zeiten, als die Sozialdemokraten im Revier noch Zweidrittel-Mehrheiten erreichten, seit vielen Jahren vorbei.

In einer am Mittwoch veröffentlichten Forsa-Umfrage für "Stern" und RTL legten die Sozialdemokraten nach Schulz' Nominierung von 21 auf 26 Prozent zu und erreichten damit den höchsten Wert seit der Bundestagswahl 2013.

(lnw)
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